Patrick der Partyfotograf – ein Trip aufs Land

Ein Trip aufs Land ist ja immer etwas feines. Man erhofft sich Entspannung von den Menschenmassen der Großstadt und möchte frische Landluft atmen, die weiten der Felder genießen.
In meinem Fall möchte man nebenbei auch noch das ein oder andere leckere Stück Kuchen absahnen und die Vorzüge des Familienlebens auf Zeit auskosten. Kurz und gut: Ich bin über’s Wochenende Richtung Heimat gefahren.

Den Besuch zu Hause gilt es natürlich auch immer mit der ein oder anderen Feierei zu verbinden. Dieses Mal sollte es ein Oktoberfest sein. Ja, lacht nur! Ein Oktoberfest, so richtig schön in einer Kleinstadt, in einem Zelt vor der Dorfdisko aufgebaut. Hier traf ich dann am Samstags schon um 18 (!) Uhr ein, um mit meinen Schwestern und Freunden mal einen auf bayrisch zu machen. To cut a long story short, schaffte ich es auch nach der ein oder anderen Maß nicht mir die anwesenden Leute sympathisch zu trinken. Allesamt waren sie in Dirndl oder Lederhosen gekleidet (und das im Rheinland) und alle benahmen sie sich so, wie sie es sonst nur Karneval tun (typisch Rheinland). Spätestens als dann um halb acht die eigens aus Bayern eingeflogene Kapelle auch mal „was volkstümliches“ zu spielen begann, gab es kein Halten mehr und die neu-bayuvaren standen auf den Bänken um eifrig den in Dirndl gepackten Hintern im Takt der Alpen-Beats zu bewegen.

Mittendrin sah ich ihn dann. Das Mitglied einer Spezies die mir seit zehn Jahren regelmäßigen Ausgehens immer schon Rätsel aufgibt: Der Partyfotograf. Entgegen jeglicher Ästhetik fotografieren Partyfotografen Leute in dämlichen Posen und ihr aufgesetztes gute Laune grinsen. Die Fotografierten schämen sich am nächsten morgen vielleicht darüber, dass ihr vom Alkohol entstelltes Gesicht auf der Website eines x-beliebigen Clubs auftaucht. Manche (und wahrscheinlich sogar die Mehrheit) der Foto-Opfer findet sich trotz allem wahrscheinlich schrecklich gut. Was mich aber besonders fasziniert, sind die Motive der Fotografen. Wieso nur lichten sie nicht die Tragik solcher Abende ab? Wieso machen sie keine Fotos von Menschen, die Abseits vom Geschehen stehen, oder die sich daneben benehmen, von solchen die keine Lust haben? Ist da nicht das wahrhaft Interessante solcher Abende zu entdecken? Der Partyfotograf auf dem Oktoberfest hieß auf jeden Fall Patrick. Gekonnt fand ich das bei einem improvisierten Interview heraus. Patrick hat gar keine Lust auf Ästhetik, sagt er. Er wolle einfach nur durchs Fotografieren Kohle verdienen und dabei Spaß haben. Na ja, auch eine Motivation. Und wer will sich auf Parties schon mit schlechtgelaunten Menschen befassen, geschweige denn sie fotografieren? Trotz allem hielt ich mich dann doch nicht so erfolgreich fern vom Partyfotografen. Also ziere ich dann doch noch eine Website mit meinem dummen Partygesicht. Und das auch noch im Dirndl.

Am nächsten bin ich dann Tag wieder zurück in die große Stadt und nun verstecke mich erstmal vor Oktoberfesten und Partyfotografen. Und mein Verlangen nach den Vorzügen des Landlebens werde ich dann vorerst lieber montags abends via RTL mit fröhlichen Friesen und herzlichen Holzbauern decken…


Ein Gedanke zu “Patrick der Partyfotograf – ein Trip aufs Land

  1. Schlimmer geht immer: immer noch im Dirndl sind wir zusätzlich auf der Website unserer Lieblings-Dorfdisco zu bewundern und geben in Sachen Entstellung durch Alkoholgenuss wirklich ALLES. Ich durfte es durch den Anruf eines zu Recht aus dem Lachen nicht heraus kommenden Freundes erfahren und kann nur sagen: Don’t check das mal aus…

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