Where do I go from here?

Säulengang auf der Museumsinsel

Berlin spielt wieder Schneeweißchen und hat sich dank Minusgraden seinen schmutzigen Wintermantel angezogen. Auch die Restaurants und Bars auf dem nahen Ballermann der Simon-Dach-Straße haben ihre Sitzmöbel eingezogen wie eine Schildkröte ihren stummeligen Schwanz. Irgendwie ist das ja auch mal ganz schön, vor allem wo jetzt gerade die Sonne scheint sollte ich einfach das Haus verlassen und die Stadt genießen. Jetzt wo die Touristen und Erasmusstudenten lieber in Cafés sitzen statt draußen zu frieren, könnte die Stadt meine sein. Doch irgendetwas hält mich davon ab. Bin ich vielleicht schon so verdrossen, dass ich selbst diesen Tag nicht genießen kann, der wunderschönes verspricht. Habe ich so genug von den Abgründen aus Beton und den Abgase verbreitenden Tieren, die mir das Herz versteinern und den Verstand vernebeln.

Ich bin leicht bis mittelschwer verzweifelt. Wie lange halte ich das noch aus? Vielleicht sollte ich bei meinen Spaziergänge durch meine Hood akzeptieren, dass es sich bei meiner Kulisse um ein urbanes Moloch und nicht um eine wohltuende Waldoase handelt?

Vielleicht sollte ich runter zur Spree gehen, oder in den Plänterwald, oder vielleicht einfach nach Brandenburg fahren? Mal ganz ehrlich: Es ist einfach nicht das Gleiche. Ich habe fast immer in der Nähe von Feld und Wald gelebt, freie Flächen genossen, Stille und frische Luft, die einem den Kopf klar halten. Hier ist nichts davon. Ich bleibe zwar ruhig, muss aber für einen Moment weinen. Wo soll ich denn jetzt hin?

Ich habe wohl keine Wahl, stelle ich zermürbt fest. Mein Leben ist einfach passiert, hat seinen Mittelpunkt hierhin gelegt, ob ich es will oder nicht. Freunde, Liebe, Berufsaussichten –  alle sind sie hier. Nur ich irgendwie nicht. Mein Kopf und mein Herz sehnen sich nach etwas anderem, das nichts mit der engen und doch so weiten Großstadt zu tun hat. Ein unschuldiges Leben in Ruhe und Natur. Keine Menschen, keine Gebäude, keine Abgase. Kein Stress, keine Lautstärke, kein Druck. Ich bin zerrissen und laufe mir selbst hinter um die Fetzen aufzusammeln. Ja, ich werde melodramatisch. Zum Glück klingelt plötzlich das Telefon. Meine Eltern, die mich in Berlin besuchen wollen. Mir geht ein Licht auf: Wollte ich nicht immer hier sein, war das nicht immer der Plan? Sie kommen her, weil sie Abwechslung wollen – Berlin als Frischluf. Also werde ich das einfach auch tun. Ich buche ein Ticket in die Heimat und gehe hinaus, um die Aufregung der Stadt zu inhalieren.


4 Gedanken zu “Where do I go from here?

  1. Es ist schon komisch, wie das Wahrwerden von Sehnsüchten die Selbstzweifel erst so richtig aufleuchten lässt. Ich kenne das Gefühl, Du bist nicht alleine. Mein Opa nannte das „Angst vor der eigenen Courage“, aber ganz trifft es das nicht. Oder doch? Ich kann Dir jedenfalls als jemand, der die „Insel“ auch erkundet hat, sagen, dass es sich lohnt, all diese Zweifel und Krisen auszuhalten, denn am Ende kennst Du Dich und Dein Ziel besser als vorher.
    On a (slightly) different note, kennst Du Brené Brown? Großartige TED talks, großartige Bücher. Hilft vielleicht.
    Und wenn Du mal an die Elbe willst, kommste auch gern rüber, ja? Manchmal muss man sowas machen, auch wenn sich’s komisch anfühlt.

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    1. Dank Dir, für die liebe Antwort darauf! Ich werde mich all dieser Ratschläge bzw. Vorschläge, weil ich das Wort positiver finde, gerne annehmen. Und ja: „Angst vor der eigenen Courage“ trifft es derzeit ziemlich genau, auch wenn wir vielleicht nicht mehr auf dem gleichen Stand sind. Und an die Elbe komm ich natürlich auch gerne mal 🙂

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