Retromantik mit The Soft Pack & Foxygen // Konzertreview // Musik

Als ich klein war, haben meine Eltern mir Musik aus ihrer Jugend in den 60er vorgespielt. Als ich dann selbst in den 90ern jugendlich war, rebellierte ich zu zeitgenössischer Rockmusik.
Kein Wunder also, dass mir vermehrt Bands gefallen, die sich musikalisch der Retromantik für diese Jahrzehnte gewidmet haben. Ein Glück, dass es derzeit so viele Bands gibt, die anscheinend eine ähnliche musikalische Sozialisierung durchgemacht haben wie ich. Noch besser, dass diese Bands ihre Werke auch gerne in der Hauptstadt präsentieren.

In der letzten Woche habe ich gleich zwei dieser Bands hier in Berlin bewundern dürfen. Zum einen „The Soft Pack“ am Montag im Comet Club, zum anderen „Foxygen“ freitags im Rosi’s.
Grund genug sich vorab ein paar Gemeinsamkeiten anzusehen: Beide Formationen stammen aus dem sonnigen Kalifornien, musizieren ungefähr seit Mitte des letzten Jahrzehnts zusammen und werden auf Wikipedia in die Kategorie Indie Rock gesteckt. Wie ich schon erwähnte beinhaltet ihre Musik zudem Einflüsse der 1960er, 70er, 80er und das Beste von heute. Eine momentan populäre, aber deshalb auch nicht unbedingte schlechte Mischung, die auf den Live-Faktor zielt. So weit so gut.

Montags besuchte ich also The Soft Pack im Comet Club. Begrüßt wurden mein Freund, der beide Konzertbesuche überhaupt möglich gemacht hatte, und ich vom Türsteher mit einem herzlichen „Kommense rein! Heute Swingerparty!“ – ja, gute Laune stand auf dem Programm.
Nachdem wir einem Rock-Opa unser Ticket für seine Sammelleidenschaft geschenkt und die Zeit während der völlig unpassenden Vorband, deren Namen ich nicht nennen möchte, mit ein paar kuschligen Bieren verbracht hatten, ging es dann endlich los. Die Athmosphäre im kleinen Cometen war so liebevoll und motiviert wie ich es noch selten auf einem Konzert in Berlin erlebt habe.
Das lag vor allem am buntgemischten Publikum, in dem jede Altersgruppe und Nationalität vertreten zu sein schien, und das sich nicht scheute, sich tanzenderweise genauso zum Affen zu machen wie mein Begleiter und ich.
Und dann natürlich die Band. The Soft Pack waren einfach großartig. Vier Herren, die sich nicht selbst inszenieren, sondern ihre Musik und zwar durch tadelloses beherrschen ihrer Instrumente. Man konnte sie einfach nur lieb haben, wie sie da in ihren gebügelten Streifenhemden standen. Völlig unverrückt und bodenständig, aber mit fettem Sound. Da saß alles: Vom Schlagzeug bis zum Saxophon. Und Frontmann Matt Lamkin, den hätte man am liebsten jedes Mal feste gedrückt, wenn er seine Gitarre gegen das Mikro tauschte und fast schon verlegen und leicht steif hin- und herwog.
Ein fast zweistündiges Fest der Liebe, bei dem kein Bruch durch den Wechsel zwischen Songs der doch recht unterschiedlichen Alben „The Soft Pack“ und „Strapped“ entstand, sondern viel mehr ein feuriger Tanzmix aus Surf- und Discobeats. Ich gerate ins Schwärmen und ich glaube, jeder der mit mir da war, würde es wieder tun. Wie schön!

Freitags dann der Gig von Foxygen im Rosi’s. Vorab muss man natürlich sagen, dass das Rosi’s ein Club ist, der an Freitagen auch dem partyhungrigen Laufpublikum geöffnet ist. Dementsprechend kann man wohl nicht erwarten, dass man dort auf die Creme de la Creme der Musikliebhaber trifft. Aber mal ganz ehrlich, liebe Gäste: Was sollte das denn? Hier wieder ein typischer Fall von Berliner Konzertbesuchern, die sich zu cool finden um sich auch nur minimal zu bewegen. In den ersten drei Reihen Feierei, dahinter dann stocksteife Langweiliger. Da fragt man sich, wie man so jung und doch so spießig sein kann…
Für mich als sehr kleinen Menschen war das besonders furchtbar, denn ich bin bei Konzerten auf Bewegung angewiesen, damit ich auch mal zwischen den Körpern der anderen Menschen durchsehen kann. So musste ich dreimal hochgehoben werden um überhaupt etwas zu sehen. Fail!

Aber genug aufgeregt. Das was ich von Foxygen hörte, klang durch die Bank weg gut und genauso, wie ich es von ihnen erwartete: Indie Rock, leicht psychedelisch angehaucht, teilweise verträumt und mit einer guten Portion Improvisation. Die beiden Hauptakteure Jonathan und Sam brillierten und sahen aus, wie aus einem 60er Jahre Hippie-Film, er mit Prinz Eisenherz Frise, sie mit bunten Glitzersteinchen im Gesicht. Hach… Irgendwie zauberhaft, aber schade, dass die musikalische Liebe nicht als Funken zum Publikum übersprang und sie auch kaum mehr als die aktuelle Platte vorstellten.
Vielleicht kommen sie bald mal wieder und spielen dann in einer ordentlichen Location vor interessierten Fans. Man sieht ja, dass nicht nur ich nach den Klängen aus vergangenen Jahre suche. Ich habe also große Hoffnungen.


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