Wenn Tiere nähen könnten – Gedanken zur westlichen Doppelmoral

Katze nähend

Ich bin ja normalerweise nicht so der Typ, der sich per Internet über etwas mokiert, aber irgendwie muss es jetzt doch sein.

Gerade lief ich nämlich über die Straße und sah da eine Gruppe von Mädels von denen jede mindestens zwei vollgestopfte Tüten des Klamottendiscounters Primark stolz in den Händen hielt und sich über seine Errungenschaften freute.Normalerweise wäre mir das auch völlig egal gewesen, denn ich finde jeder soll ja dort einkaufen, wo er möchte. Wäre da nicht vor ein paar Tagen dieses fürchterliche Unglück in einer Klamottenfabrik in Bangladesch passiert bei dem mehrere hundert starben und über 2000 verletzt wurden. Und hätte sich  nicht die Kette Primark dazu bekannt, dort produziert zu haben. Ok, immerhin waren sie so ehrlich, denn viele der Marken, deren Kleidung wir so tagtäglich kaufen, möchten wahrscheinlich lieber Stillschweigen darüber bewahren, dass auch sie die Produktion ihrer Ware unter diesen Umständen dulden.

Aber warum schweigen sie dazu eigentlich, frage ich mich fast. Imageverlust scheint es ja in diesem Fall nicht zu geben, was ich irgendwie nicht verstehe. Denn wenn ich mir so ansehe, worüber Menschen sich auf Facebook und Twitter so beschweren und wie dort nahezu missionarische Posts für andere Themen insbesondere Tierschutz und Veganismus im Minutentakt erfolgen, will es nicht in meinen Kopf hinein, wieso zu diesem Thema noch niemand einen Aufschrei von sich gegeben hat.

Ich will hier kein Moralapostel sein, denn ich mag auch Tiere und finde Massenhaltung ebenfalls doof. Aber ich frage mich schon, wie es sein kann, dass Leute lieber überteuerte Bio-Produkte im veganen Supermarkt um die Ecke kaufen, damit es Tieren gut geht, bei der Wahl ihrer Klamotten aber so sehr sparen, dass auf der anderen Seite der Welt, andere Menschen unter fatalen Bedingungen und für einen Lohn arbeiten von dem hier manch einer gerade mal einen halben Bio-Einkaufskorb voll bekommt.

Wie heißt es doch so schön: Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein. Ich will hier also niemanden anklagen. Auch ich habe in letzter Zeit eher auf meinen Eiern nachgeschaut, ob diese auch garantiert von glücklichen Hühnern kommen, als auf das Etikett meiner T-Shirts. Auch ich habe einen Kleiderschrank in dem viele Sachen der H&Ms und Zaras dieser Welt hängen. Ich habe selbst unter meinen Klamotten ein Teil aus Bangladesch entdeckt und von vielen anderen Orten der Welt, woher ich lieber keine Sachen besäße. Aber ich wünsche mir von meinen Mitmenschen, dass sie wenigstens nach solchen Katastrophen einmal ihr Verhalten bedenken. Tierschutz und der Einsatz dafür ist super, aber bitte vergesst nicht, dass es auch Menschen gibt, denen es auf dieser Welt dank unseren verwöhnten Erstweltwünschen echt scheiße geht.

Ich will hier gerne polemisch werden und eins sagen: Ich wette, wenn herausgekommen wäre, dass in der Fabrik in Bangladesch die Klamotten von Tieren zusammengenäht wurden, dann hätte ich die Mädchen mit den Primark tüten wahrscheinlich niemals gesehen.

 

(Bild via cuteoverload.com)


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