Vorfreude: Über die Schönheit des Wartens

Babysocke / Warten / SchwangerschaftEine Schwangerschaft hat viel mit warten zu tun. Man wartet mehr oder weniger vierzig Wochen bis das Kind endlich fertig ist. Man wartet immer auf die nächste Woche, den nächsten Monat, das nächste Trimester. Man wartet auf den Bauch und wichtige Entwicklungsstadien. Man wartet beim Arzt, man wartet bis der Paketbote die bestellten Sachen bringt, und im Mutterschutz wartet man auf den Mann, der hoffentlich gleich nach Hause kommt. Am Ende wartet man dann vor allem darauf, dass es endlich losgeht (es sei denn, man fürchtet sich vor der Geburt). Das Baby ist fertig, es könnte dann ruhig mal zur Welt kommen. Man wartet also nicht nur, man entwickelt eine übermenschliche Vorfreude, eine Art Eifer, ein Streben. Man sehnt sich nach dem Tag X.
Normalerweise zählt man in solch einer Situation Tage oder Stunden. Das Problem bei der Geburt ist aber, dass man nicht weiß, wann sie eintritt. Schließlich hat man ja nicht einen Timeslot gebucht, wie bei einem Flug oder einem Besuch im Museum (es sei denn, man bringt sein Kind geplant per Kaiserschnitt zur Welt).
Also übt man sich in Geduld. Man geht so gut wie noch möglich seinem Nestbautrieb nach, liest, chillt und schreibt vielleicht auch einen Text wie diesen. Unterbrochen wird man dabei eigentlich nur von Freunden und Verwandten, die sicher gehen wollen, dass das Kind auch wirklich noch nicht da ist. (Keine Sorge, ihr dürft weiterfragen. Ich war ja auch schließlich mal in eurer Position.)
Es ist ein relativ schönes Leben so am Ende, wenn es einem so gut geht wie mir. Klar kann man sich aufgrund des noch im Beutel gefangenen Mini-Känguruhs nicht mehr so gut bewegen. Aber wenn man weiß, dass es prinzipiell so schon überleben könnte, und man nun nur noch warten muss, bis es endlich geboren werden will, ist man doch recht entspannt.
Da wird schon etwas Gutes bei rauskommen, denke ich mir. Und irgendwann kommt es ja so oder so. Dann wird eh alles anders. Aber daran kann und will ich nicht denken, denn das übersteigt bislang sowieso noch meine Vorstellungskraft. Ich hatte ja noch nie ein Kind.
Ich freu mich aber drauf. Sehr sogar.
Also warte ich. Ich warte weiter und genieße es.
Denn warten ist schön, wenn man am Ende von etwas so Unglaublichem erwartet wird.


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