Muttermorphose

 Seit Tagen denke ich darüber nach, dass ich wieder etwas schreiben sollte, dass ich etwas schreiben WILL. Doch obwohl ich in den ruhigen Momenten Zeit hätte (wenn auch nicht immer beide Hände frei), fällt es mir schwer mich thematisch zu fokussieren. Doch ich vermisse die Worte immer mehr, der Drang sie einfach herauszulassen wird immer größer. Also schreibe ich drauf los, tippe diesen Text mit der rechten Hand in mein Handy, während ich mit der linken mein Baby stütze, das friedlich auf meinem Schoß schläft.

Mein Baby – das ist was mich gerade zu neunundneunzig Prozent beschäftigt. Es hält mich nicht nur dadurch beschäftigt, dass sein Alltag fast ausschließlich aus Hunger und vollen Windeln besteht, dass es gerne getragen und unterhalten werden will, und morgens einfach schon früher wach ist, als wir alten Medienfuzzies es gewöhnt sind. Auch in Gedanken beschäftigte ich mit meiner süßen Tochter und dem Leben, das nicht nur für sie neu begonnen hat.
Davon abgesehen, dass es wundervoll und aufregend ist, bringt Mutter zu sein so viele Veränderungen mit sich, die einem kein Ratgeber, kein Familienmitglied und keine Freundin vermitteln kann. Ständig stellt man sich neue Fragen, am allerhäufigsten, ob man das hier überhaupt richtig macht.

Das Baby sieht zufrieden aus (außer wenn es Hunger hat und müde ist), es wächst in die Länge und Breite, und ist kerngesund. Dennoch fehlt mir ein direktes Feedback. Das bin ich als Erwachsene doch schließlich so gewohnt (zumindest meistens). Meine Tochter spricht aber noch nicht und auch sonst fällt ihr das Mitteilen von Emotionen noch recht schwer.

Nicht, dass ich das erwarte. Sie ist noch keine sechs Wochen alt und ich genieße diese Kleinheit, ich bin gerne bedingungslos für sie da. Doch auch die Fragen sind da und jeden Tag kommen neue hinzu.

Ich lese sehr viel, frage meine Schwestern, doch oftmals verunsichern die vielen Meinungen noch viel mehr. Der Umgang mit einem Baby ist Gefühlssache, da kann einem niemand bei helfen (außer vielleicht mein Mann, aber der arbeitet nun schon wieder). Mit einem Baby muss man sich neu definieren, denn in der Mutterrolle kann man all die tollen Dinge, die man vorher gelernt hat, nicht unbedingt gebrauchen.

Es ist wie ein neuer Job, den man vorher nicht gelernt hat. Man muss mit den Aufgaben wachsen, man braucht ein komplett neues Selbstbewusstsein um in der neuen Rolle zu bestehen und seinen eigenen Mama-Style zu entwickeln. Das kostet Kraft und nimmt mental viel Zeit in Anspruch, aber ich weiß, dass man da durch muss und dass es das wert ist.

Es gibt wahrscheinlich niemals ein Ende dieser Metamorphose vom Menschen zur Mutter. Ich werde nie perfekt sein, weil es einfach keinen Messwert dafür gibt. Doch seit gestern weiß ich zumindest, dass ich es auf meine Art schon irgendwie richtig mache. Meine Tochter erkennt mich und sie lächelt, wenn sie mich sieht.

Wenn das nicht der schönste Beweis dafür ist, dass es irgendwie nach Gefühl und mit viel Liebe schon klappt und der schönste Grund dafür mal wieder etwas zu schreiben, dann weiß ich es auch nicht.


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