Und plötzlich ist es so.

Sylt, Boardwalk, Open End, KathrinessIch stehe im Bad vor dem Spiegel und plötzlich wird mir klar, dass ich jetzt Mutter bin. Natürlich weiß ich das schon seit zwei Monaten und zusätzlich hatte ich davor acht Monate Zeit, mich darauf vorzubereiten. Doch so richtig ist es erst jetzt in meinem Kopf angekommen. 

Es ist keiner dieser romantischen Momente der Glückseligkeit. Wenn ich ehrlich bin, sind meine Empfindungen in diesem Augenblick der Erkenntnis recht sachlich. Eher nach dem Motto: „Aha, so ist das also.“ Denn plötzlich weiß ich: Ich bin in einem neuen Hier und Jetzt angekommen, einer neuen Rolle, einem neuen Selbst.

Der Mensch macht viele solcher Entwicklungen in seinem Leben durch, kommt immer wieder an einen solchen Punkt, denn er denkt in Lebensstadien, die zu erreichen sind. Während er sich noch in dem einen Stadium befindet, baut er Vorstellungen und Erwartungen über das nächste, oder vielmehr noch, über alle auf, die in Zukunft potentiell zu erreichen sind.

Anfangs denkt man noch Schrittweise. Wenn man im Kindergarten ist, denkt man z.B. erst einmal nur über die Grundschule nach. In der Grundschule erweitert sich die Lebensplanung dann aber schon. Man macht sich Gedanken über alles was das Leben so bringen könnte: Die nächste Schule, Beruf, Erwachsensein. Auf der weiterführenden Schule geht das so weiter, ebenso in der Ausbildung oder im Studium. Immer scheint alles so fern – und immer kommt es dann schneller als man denkt.

Ich weiß noch, wie ich auf dem Gymnasium und meiner Zeit in England noch ständig über das Studieren nachdachte, und dann war ich plötzlich Student. Und noch viel schneller hatte ich fertig studiert. Ich erinnere mich auch nur zu gut, wie ich meinen ersten Job begann. Am Anfang war es noch aufregend, und ganz plötzlich war es dann Normalität.

Viel plötzlicher war ich sogar verheiratet. Plötzlich die Frau von einem Mann. Ähnlich wie das Muttersein, gehört das Verheiratetsein zu den Dingen, über die man schon recht früh im Leben Gedanken macht. Will ich heiraten und Kind haben? Das ist die Frage, die man sich immer wieder gestellt und wahrscheinlich auch – je nach aktueller Lebenslage – anders beantwortet hat.
Es gab lange Phasen in meinem Leben in denen ich mir beides nicht vorstellen konnte, und dann plötzlich aber schon. Und dann ging alles ganz schnell. Plötzlich war ich Frau Eß, jetzt sogar Mama Eß.

Was steht mir nun also noch bevor, jetzt wo ich in diesem Stadium angekommen bin, was lange Zeit so weit entfernt schien? Karriere? Alt werden? Oma werden? Das Unvermeidliche?

Keine Vorbereitungszeit der Welt kann reichen um einen auf eine solche neue Rolle vorzubereiten. Man springt irgendwie immer ins kalte Wasser. Am Anfang treibt man noch, oder man strampelt um sein Leben, doch irgendwann schafft man es dann zu schwimmen. Und dann fängt man wieder an zu denken, zu atmen, zu leben. Und man merkt, dass in der Bewegung das Wasser dann doch nicht so kalt ist.

„Alles gut also“, denke ich, als ich vom Spiegel wegtrete und mich wieder voll und ganz meiner neuen Rolle widme.


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