Die Unsicherheit (und das Leben der Anderen)

FullSizeRender 8Ganz normal sitze ich beim Frühstück, browse Facebook, sehe mir so an, was die anderen Leute da von sich geben. Es ist wie jeden Tag. Die Anderen teilen und kommentieren, sie freuen und ärgern sich, sie lieben und sie hassen.

Eigentlich bin ich schon längst wieder zu etwas anderem übergewandert, doch dann ist sie da. Es ist völlig verrückt, nur ein Gefühl, rational erstmal nicht erklärbar, doch es macht mich nervös. Es ist die Unsicherheit, die langsam aus meinem Bauch heraus, über meinen Rücken kriecht und mich dann unangenehm am Nacken kitzelt, wie der Atem eines Fremden, der viel zu nah hinter einem an der Supermarktkasse steht. Tausende Male war sie schon da, jedes Mal kam sie selbstverständlich, doch heute ist das nicht so. Heute ist anders.

Die Unsicherheit kam normalerweise beim Betrachten des Leben der Anderen, so wie es nur auf Facebook und Konsorten möglich ist. Die Unsicherheit, kam ungefragt zu Besuch wie ein großes Fragezeichen, immer wenn ich in den sozialen Medien sah, was die Anderen anscheinend so aus ihrem Leben machten, was sie mochten, doof fanden, was sie konnten, wo sie sich gerade befanden. Die Unsicherheit ließ mich an meinem eigenen Leben, an meinem eigenen Weg zweifeln. Ist das gut, was ich mache? Sollte ich mir mehr Gedanken über dies oder jenes machen? Habe ich mein Leben bisher genutzt? Bin ich hier richtig?

Es gab Zeiten, da ließen mich diese Fragen nicht mehr los, machten mir das Leben schwer. Mich mit anderen zu messen fraß, wenn ich ehrlich bin, die Zeit, in der ich das Leben einfach hätte leben können. So las ich lieber x Blogartikel statt selbst welche zu schreiben. Sah mir Fotos von den Aktivitäten anderer an, statt selbst rauszugehen. Den Rest der Zeit ärgerte ich mich darüber, dass ich mich ärgerte. Doch damit war zum Glück irgendwann Schluss. Es muss an der Schwangerschaft gelegen haben, dass ich plötzlich keine Zeit mehr für die Unsicherheit hatte, sie einfach aus meinem Leben auslud wie einen unerwünschten Gast.

Jetzt akzeptiere ich, dass ich nicht so bin wie die anderen und es auch nicht sein sollte. Ich liege nunmal oft lieber auf der Couch statt auszugehen, schaue Star Trek statt Breaking Bad, schreibe nur, wenn ich etwas wirklich sagenswert finde. Dank dieser Erkenntnis scheine ich mich endlich selbst gefunden zu haben.

Genau deshalb überrascht es mich auch so sehr, dass die Unsicherheit mich jetzt trotzdem wieder einholt. Zwischen einem Bissen in mein Brot und einem Schluck Saft gehe ich in mich und hinterfrage, wieso das so ist. Ich vermute, man hat immer mal einen schwachen Moment, wird immer sein Leben mit dem anderer vergleichen, und man wird immer nur das sehen, was die Anderen einem zeigen wollen. Ich selbst präsentiere ja auch lieber Positives – das Negative behalte ich für mich.

Es gibt wahrscheinlich nur wenige, deren Leben wirklich so ist, wie sie es in den sozialen Medien darstellen, denke ich. Meins ist auf jeden Fall nicht nur so, wie das was man auf meinem Blog oder auf Facebook sieht. Ich bin nicht so glücklich und auch nicht so traurig, ich bin weder sonderlich cool, noch lustig. Wenn ich ehrlich bin, frage ich mich bei jedem Text, den ich veröffentliche, ob ich das wirklich so schreiben kann – weil ich, auch wenn ich nicht mehr ständig über die Anderen nachdenke, einfach unsicher bin.

Ich frage mich, wie vielen es außer mir noch so geht. Vielleicht bin ich nicht die Einzige. Vielleicht ist es an der Zeit mal die Hosen runter zu lassen, diesen Text zu schreiben und allen zu sagen: „Ich bin manchmal unsicher, und das ist auch gut so.“


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