Das Glück der kleinen Dinge

Baby spielt mit Karton / Das Glück der kleinen Dinge / Mrs K.Ess / (c) Kathrin Eß
Das Babymädchen hat auf dem Sofa ein Reiskorn gefunden. Immer wieder schiebt sie es hin und her, hebt es auf, schaut es an, als sei es die schönste Sache der Welt. Wahrscheinlich ist es das auch und ich bin nur zu blind, zu erwachsen um das zu erkennen.
Meine Tochter liebt die kleinen Dinge. Nach Weihnachten spielte sie zum Beispiel lieber mit einem Karton als mit den vielen Spielsachen, die sie geschenkt bekommen hatte – immer und immer wieder.
Wie ich sie bewundere, meine kleine Entdeckerin. Sie und ihren Mikrokosmos, der sich langsam ausdehnt. Alles, wirklich alles ist neu für sie, jedes auch noch so kleine Ding hat die Chance für sie die größte Sache der Welt zu werden.
Leider erinnere ich mich nicht mehr an diese Phase meiner Kindheit, kann diese Erfahrungen nicht mehr abrufen. Doch ich erinnere mich sehr wohl an Momentaufnahmen aus den Jahren danach:

Mein Opa, der es schafft einen Apfel mit einem Messer in einem Stück zu schälen, das wie ein riesiger rotgelber Kringel auf dem Küchentisch liegt. Der Baum, der auf der wilden Wiese um die Ecke steht, auf den in am liebsten jeden Tag klettern würde. Die Rechenmaschine, auf die meine Mutter Abends tippt, während ich zu ihren Füßen spiele. Apfelsaft aus lila Schnapsgläsern, den es nur bei meiner Oma gibt. Mein Vater, wie er mir ein Pferd zeichnet. Sonntage bei meinen Großeltern mit Kaffee und Sahnetorte, mit Spaziergängen bei denen wir aus einem Vorgarten Muscheln klauen…
Für andere mögen diese Dinge klein und unbedeutend erscheinen, in mir aber rufen sie auch heute noch ein Gefühl der Wärme hervor.
Als Kind sind es eben diese kleinen Dinge, die das Leben bereichern.
Wird man älter, vergisst man das leider viel zu oft. Man verliert sich in der Welt der großen Dinge, sucht das Glück im großen Abenteuer, im großen Reichtum, in der große Liebe.
Dabei können einem auch als Erwachsenen die kleinen Dinge noch so viel Freude bereiten, das Leben lebenswerter gestalten:
Die Krokusse und Schneeglöckchen, die im Garten meiner Eltern den Frühling einläuten. Ein schönes Gespräch, ein leckeres Stück Kuchen, eine unerwartete Freundlichkeit…
Es gibt so viel Schönes um uns herum. Vielleicht sollten wir alle das Kind in uns wiederentdecken, die Suche nach den großen Dingen für eine Weile an den Nagel hängen und uns auf die kleinen Dinge einlassen. Vielleicht können wir dann für einen Moment einfach glücklich sein.

Mit meinem „Glück der kleinen Dinge“ nehme ich übrigens an der tollen Blogparade zum Thema Schöne Kindheitserinnerungen von mamaskind.de teil. Zum Aufruf und geht es hier >>

Krokusse im Garten / Das Glück der kleinen Dinge / Mrs K.Ess / (c) Kathrin Eß


5 Gedanken zu “Das Glück der kleinen Dinge

  1. Ein sehr schöner Text und wie recht du hast. Da steckt doch eigentlich das ganze Wunder der Welt im kleinen Reiskorn und wir beachten es nicht. Toll, dass die Kinder uns immer wieder darn erinnern.
    Ich habe heute die ersten Zugvögel gesehen und gleich war die Welt in Ordnung.
    LG Elli

    Gefällt 1 Person

  2. Toll geschrieben!
    Du hast so Recht: Warum können auch wir Erwachsenen uns nicht mit kleinen Dingen zufrieden geben? Ich habe mir vorgenommen, die Kinder viel mehr entdecken zu lassen und nicht gehetzt zu sein. Eben die kleinen Dinge zählen!
    Magst du meinen Aufruf zur Blogparade noch verlinken? 🙂
    Liebe Grüße
    Sarah

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Sarah, dank dir für die tolle Blogparade. Freut mich, dass dir mein Beitrag gefällt. Hatte dich schon verlinkt, aber das war leider unter das letzte Bild gerutscht. Hab es jetzt verschoben und mach diese Woche auch nochmal Werbung auf meiner FB-Seite dafür.
      Liebe Grüße
      Kathrin

      Gefällt 1 Person

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