In der Schleife der Zeit

(c) Kathrin Eß 2016
Als ich vom Bildschirm meines Handys aufblicke, ist die Sonne bereits aus dem Garten verschwunden. Das Wissen, dass sie im Laufe des Tages ihren Weg auch nicht mehr zurückfinden wird, macht mich traurig. Es ist gerade mal 9:08 Uhr.
Die Tage werden immer kürzer und das Jahr und die Zeit im Allgemeinen rasen an mir vorüber. Ich schreibe To-Do-Listen, versuche effizient zu sein. Ich versuche den Moment zu leben, mich in Achtsamkeit zu üben. Ich versuche meine Zeit zu nutzen und scheitere doch kläglich, jeden Tag.
So oft überlege ich, ob das, was ich den ganzen Tag mache, überhaupt richtig ist, suche mich dann selbst, weiß nicht wer ich bin. Ich versuche zu kompensieren, überdenke mein Sein, meinen Schein. Ich will mich ändern, verändern, aber meistens mache ich dann doch nichts. Vielleicht ist eigentlich alles in Ordnung. Vielleicht muss ich gar nichts ändern. So richtig weiß ich es nicht.
Ich schätze, ja, irgendwie hoffe ich sogar, dass das eine Begleiterscheinung des Erwachsenwerdens ist. Dass ich noch formen will, wo längst schon eine Form entstanden ist. Dass ich nur ein Ausweg suche aus der Schleife der Zeit.
Denn am Ende der meisten Tage ist ja doch alles wieder ok, und eins weiß ich mit Sicherheit: Dass die Sonne morgen wieder kurz den Garten berühren wird, aber dass auch das nur eine Phase ist und sie wieder länger bleiben wird. Ja, am Ende der meisten Tage weiß ich, dass das der Fluss der Dinge ist, und dass ich darin schwimmen kann, egal wie stark seine Strömung ist.


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