Mom, I am a rich man

Worte & Gedanken

Der Mann geht über die Straße, mitten durch den Regen, während ich im Schutze des Vordachs eines Cafés sitze. Er ist von oben bis unten durchnässt. Sein Hemd trieft, seine Haare tropfen, die Hosenbeine hängen fest an der Haut. Aber er trägt Blumen. Einen Blumenstrauß genau gesagt. Riesig. Und wunderschön. Ganz selbstverständlich trägt er ihn. Einen Blumenstrauß wie ein englischer Garten im Sommer.
Er trägt ihn wohl zu jemandem, den er liebt. Vielleicht zu seiner Freundin. Vielleicht zu seinem Mann. Nicht zu seiner Mutter. Der Strauß sieht nicht nach dieser Art von Liebe aus.
Liebe … Wie schwer es doch ist, jemanden zu finden, der einem so einen Blumenstrauß schenkt. Ihn für dich aussucht. Und kauft. Und durch den Regen trägt. Einfach so, weil er findet, dass du es verdienst. Weil er denkt, dass du die schönste Blume bist, und deshalb verdammt nochmal auch die schönsten Blumen verdient hast.
Früher fand ich Blumen ja doof. So ein blödes Klischee. Mädchengemüse. Die Dinge ändern sich. Heute wünschte ich, ich bekäme sie.
Es hat aufgehört zu regnen. Der Kaffee ist leer, der Mann sicherlich zuhause, der Blumenstrauß bei der Person, die sich (hoffentlich) mordsmäßig darüber freut, ihm mindestens zwanzig heiße Küsse dafür schenkt. Und das glücklichste Lächeln der Welt.
Ich stehe auf, bringe mein Geschirr ins Café. Selbstbedienung.
Als ich herauskomme und in den wolkenbedeckten aber trockenen Himmel starre, fasse ich den Entschluss. Ich werde mir selbst Blumen kaufen. Immer, wenn ich sie will. Liebe muss ja nicht immer von anderen kommen.
Und Wünsche, ja Wünsche, die erfülle ich mir dann eben auch erstmal selbst.

*Der Titel bezieht sich übrigens auf die folgende, epische Interviewantwort von Cher: https://www.youtube.com/watch?v=-FfApyVItZo

Kathrin Ess Flowers 2020