Wo ich einmal liegen will (Georgen-Parochial-Friedhof IV)

Worte & Gedanken

Kann man von seinem Grab aus eigentlich den Himmel sehen? Weil, wenn ja, dann würde ich gerne hier liegen, genau hier. Ich könnte die grasgrünen Blätter der Kastanien sehen, durch die die Sonne blinzelt, mich kitzelt an meinem langsam verottenden Gesicht. Ich hätte die Wolken im Blick, in all ihren Formen und Grautönen. Auch dann, wenn sie eigentlich gar nicht da sind. Vielleicht könnte ich aus meinen leeren Augenwinkeln auch die Häuser sehen, die um mich herum in die Höhe ragen. Manche mit Efeu bewachsen, manche mit Graffitis beschmiert, alle bewohnt.


Kann man in seinem Grab eigentlich auch die Geräusche hören? Weil, wenn ja, dann würde ich gerne hier liegen, genau hier. Umringt von Vogelgezwitscher, von Kinderlachen, von Autolärm und Straßenbahngebimmel. Eingelullt vom Rauschen von Blättern und Wind.


Wieso sollte ich eigentlich nicht darüber nachdenken, wo ich einmal liegen will, wo es doch der längste Schlaf ist, der mich jemals übermannt. Wieso sollte es nicht hier sein, wo es unendlich interessant ist. Vorausgesetzt natürlich, ich kann noch sehen und hören. Da unten in meinem kleinen, warmen 

„Der Spielplatz im Meer“ in der Schule

News

Letzte Woche erreichte mich eine ganz wundervolle Nachricht: Mein Bilderbuch Der Spielplatz im Meer wurde im Unterricht der Klassen 3b und 3a der GGS Oberforstbach (bei Aachen) vorgelesen. Im Anschluss durften die Kinder ihre eigenen Meeresspielplätze erfinden und malen. Und das Beste: Sie haben ihre Bilder abfotografiert und mir geschickt. Ich war wirklich gerührt und ganz begeistert von den fantasie- und liebevollen Bildern der Kinder. Deshalb zeige ich euch die Bilder auch alle hier, damit ihr euch ebenfalls daran erfreuen könnt.

Herzlichen Dank hier noch einmal an die Igel- und die Schmetterlingsklasse für die tollen Bilder und an ihre Lehrerinnen für ihr Engagement. Ich freue mich wirklich riesig! <3

Mom, I am a rich man

Worte & Gedanken

Der Mann geht über die Straße, mitten durch den Regen, während ich im Schutze des Vordachs eines Cafés sitze. Er ist von oben bis unten durchnässt. Sein Hemd trieft, seine Haare tropfen, die Hosenbeine hängen fest an der Haut. Aber er trägt Blumen. Einen Blumenstrauß genau gesagt. Riesig. Und wunderschön. Ganz selbstverständlich trägt er ihn. Einen Blumenstrauß wie ein englischer Garten im Sommer.
Er trägt ihn wohl zu jemandem, den er liebt. Vielleicht zu seiner Freundin. Vielleicht zu seinem Mann. Nicht zu seiner Mutter. Der Strauß sieht nicht nach dieser Art von Liebe aus.
Liebe … Wie schwer es doch ist, jemanden zu finden, der einem so einen Blumenstrauß schenkt. Ihn für dich aussucht. Und kauft. Und durch den Regen trägt. Einfach so, weil er findet, dass du es verdienst. Weil er denkt, dass du die schönste Blume bist, und deshalb verdammt nochmal auch die schönsten Blumen verdient hast.
Früher fand ich Blumen ja doof. So ein blödes Klischee. Mädchengemüse. Die Dinge ändern sich. Heute wünschte ich, ich bekäme sie.
Es hat aufgehört zu regnen. Der Kaffee ist leer, der Mann sicherlich zuhause, der Blumenstrauß bei der Person, die sich (hoffentlich) mordsmäßig darüber freut, ihm mindestens zwanzig heiße Küsse dafür schenkt. Und das glücklichste Lächeln der Welt.
Ich stehe auf, bringe mein Geschirr ins Café. Selbstbedienung.
Als ich herauskomme und in den wolkenbedeckten aber trockenen Himmel starre, fasse ich den Entschluss. Ich werde mir selbst Blumen kaufen. Immer, wenn ich sie will. Liebe muss ja nicht immer von anderen kommen.
Und Wünsche, ja Wünsche, die erfülle ich mir dann eben auch erstmal selbst.

*Der Titel bezieht sich übrigens auf die folgende, epische Interviewantwort von Cher: https://www.youtube.com/watch?v=-FfApyVItZo

Kathrin Ess Flowers 2020

Again and again

Gedicht

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Can you feel the magic
Although everything is falling apart?
Do you see the gold
In the shards of a broken heart?

It takes strength not to fall
So much more to get up
It takes courage to go on
Even more to try your luck

So will you try
Even if the road is stony?
Will you give your heart
Even if you risk to be lonely?

Again
and again
and again… .

Orange Waves

Gedicht

KatEss-OrangeWaves_2020

 

Yesterday when I walked in the park,
The clouds painted orange waves on heaven‘s sea.
Did nobody look up but me?

Yesterday before the sky went dark,
A star stood lonely watching the heads of the trees.
Did nobody see him but me?

I‘m a lonely wanderer on this earthen path,
My companions are the things that I see.
But I can be quiet in my unruly heart.
When I watch what nature gives, I find peace.

Neuanfang / New beginnings

Worte & Gedanken

KatEss-Berlin-2009

Neuanfang

Vor 10 Jahren bin ich nach Berlin gekommen.
Das Gepäck, das ich hierhin trug, war schwer.
Es hat 10 Jahre gedauert, meine Koffer zu öffnen, ihren Inhalt herauszuholen, zu sortieren, teilweise zu verbrennen und durch so viel Neues zu ergänzen.
Jetzt fühle ich mich zum ersten Mal,
als hätte ich alles ausgepackt.

Vielleicht bin ich endlich angekommen.

——

New beginnings

Ten years ago I arrived in Berlin.
The baggage I carried with me was heavy.
It took 10 years to open my suitcases, to extract their content, to organise it, partially burn it and to complement it with so many new things.
Now for the first time I feel I’ve unpacked everything .

Perhaps I have finally arrived.

Der letzte warme Tag

Worte & Gedanken

Scharmuetzelsee_Foto_KathrinEss2018

Der letzte warme Tag
bringt Gewissheit.
Dass Dinge sich stetig ändern und der Zyklus der Welt doch der gleiche bleibt.
Dass es nichts Schöneres gibt, als das Unperfekte, das Rohe, das sich noch formen lässt.
Dass in jedem Ende auch ein Anfang steckt.

Der letzte warme Tag bringt Freude.
Und Nostalgie.
Er trägt eine inhärente Schwere, die doch mit Leichtigkeit zu nehmen ist.
Ich umarme ihn zum Abschied.
„Mach’s gut, mein Freund. Bis nächstes Jahr“, flüstere ich leise, als er langsam verschwindet und die Sonne dabei mit sich nimmt.

Kompass

Worte & Gedanken

Manchmal passiert es im Leben, dass du im einen Moment alles hast und im nächsten nichts. Dass du im einen Moment noch den festen Boden unter den Füßen spürst und er im nächsten spurlos verschwunden ist. Dass dich eine unsichtbare Macht von der Erde und aus ihrer Umlaufbahn katapultiert. Hinein ins endlose All. Völlig erfroren, völlig allein.
Dort schweben sie dann, dein Herz und deine Seele, ziellos in der Dunkelheit. Ziellos im luftleeren Raum. Da wo vorher ein Weg war, ist nunmehr die bedrückende Weite der Unendlichkeit. Ohne Kompass und Orientierungssinn treibst du in ihr. Nicht einmal die Sterne oder das Licht der Sonne zeigen dir, wohin du dich wenden sollst. Es gibt keinen Indikator mehr für richtig oder falsch. Du weißt, dass du für den Moment nichts machen kannst, nur schweben. Doch das bist du nicht gewohnt. Also ruderst du. Mit Armen und Beinen. Immer stärker. Ergebnislos. Bis du schließlich aufgibst, dich der Schwerelosigkeit hingibst, dich von ihr treiben lässt. Sie nimmt dich auf, umhüllt dich. Sie ist dunkel und kalt, doch auch schützend und klar. Sie umfängt dich, leckt deine Wunden, schenkt dir schließlich neue Kraft.
Und dann irgendwann, klärt sich das Dunkel um dich auf. Du beginnst die Sterne zu sehen. Erst einen, dann zwei, dann ganz viele. Und dann weißt du, dass es weitergeht. Du beginnst wieder zu rudern, nutzt all deine neugewonnene Kraft. Du beschleunigst, findest vielleicht einen Rettungsring, vielleicht auch einfach nur einen Wegweiser, einen neuen inneren Kompass, der dir sagt, dass es weitergeht. Auf einem neuen Weg. Auf einem neuen Boden.

Das kleine Glück

Worte & Gedanken

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Manchmal bin ich eine Schlafwandlerin am hellichten Tag. Meine Träume begleiten mich, obwohl ich längst aufgewacht bin. Meine Gefühle verdrehen die Grenzen zwischen Traum und Realität, zwischen Magie und Alltag. An solchen Tagen kitzelt mich der Schnee zum Frühlingsanfang, erzählt mir Geschichten von der Schönheit der kleinen Dinge. An solchen Tagen weiß ich das Glück zu packen, und es mir unter den Arm zu klemmen. An solchen Tagen weiß ich, es für andere mitzunehmen und ihnen zu schenken….