Aurora / Die lange Bank

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Manchmal schiebt man Dinge auf die lange Bank. Man schiebt sie darauf, dann darauf herum, lässt sie dort ruhen, verrückt sie ein bisschen, betrachtet sie immer wieder neu, aber macht schließlich nichts mit ihnen. Meistens liegt das an der eigenen Unsicherheit. Es liegt daran, dass man nicht an sich glaubt. Daran, dass man sich selbst, oder das was man tut, nicht für gut genug befindet. Manchmal lässt man die Sachen dann für immer auf der langen Bank liegen. Man vergisst sie dort, oder schafft es zumindest sie zu verdrängen. Aber manchmal, ja manchmal, da schafft man es die Sachen von der Bank zu holen, sie umzusetzen. Manchmal glaubt man an sich und seine Sachen, auch wenn es noch so schwer ist, auch wenn die eigene Courage ziept und schmerzt.
In diesem Beitrag befinden sich nun zwei solcher Dinge. Zum einen dieses Bild, an dem ich seit Monaten immer wieder herum male, das aber wohl niemals fertiger wird als jetzt. Zum anderen die Verkündung, dass ich nun auch einen Redbubble-Shop habe, in dem man ein paar meiner Illustrationen als Prints und auf Produkten kaufen kann. Mal so aus Hobby. Zum Schauen, was man so machen kann. Weil man manchmal eben einfach machen muss. Für den Rest bleibt die Bank ja zum Glück weiter bestehen.

Das Bild stellt übrigens Aurora/Die Morgenröte aus dem Märchen Peterchens Mondfahrt dar, das ich als Kind verschlungen und als Mutter nun wiederentdeckt habe.
Ach ja, und den Link zum Shöpchen findet ihr übrigens hier und ab nun auch oben in meiner Navigation. Über eure Meinungen, Wünsche und Anregungen würde ich mich riesig freuen. 😘

Bewegungslos

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Wilde Möhre an Zaun (c) Kathrin Eß 2016
Ich sitze hier, bewegungslos, kann mich nicht mehr regen. Ich lasse mir die Sonne aufs Gesicht strahlen, ihre Wärme meinen Körper erfüllen, aber so richtig fühlen kann ich sie nicht. Ich habe so viel vor, würde gerne so viel erledigen, doch gerade kann ich nichts. Wenn ich mich erhebe, das weiß ich ganz genau, laufe ich nur ziellos umher, tue hier was, tue dort was, erreiche am Ende aber doch nichts. Und so sitze ich hier völlig regungslos. Kann nur denken, kann nur schreiben. Ich suche die Motivation aufzustehen, suche sie in Menschen, suche sie in Worten, suche sie in Taten. Es gibt sie, das weiß ich, tief in mir drin ist sie immer da. Doch gerade hat sie anscheinend eine Pause, will ruhen, einfach auch mal nichts tun. Also muss ich ihrem Beispiel wohl folgen, kann nichts machen, nur hier sitzen. Bewegungslos, regungslos, irgendwann geht’s schon weiter. So war’s schon immer, so wird’s auch immer sein.

Sehnsucht

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Sehnsucht/Sonnenuntergang (c) Kathrin Eß 2016Manchmal wünschte ich, ich wäre ein Vogel. Ich würde meine Flügel ausbreiten und einfach losfliegen. Der Sonne entgegen. Vielleicht auch weit von ihr weg. Durch die Lüfte würde ich schweben, alles sehen, was die Erde zu bieten hat. Denn ich sehne mich nach der Ferne, ich sehne mich nach der Welt. Würde so gern mehr erleben, Neues kennenlernen, Fremdes erfahren, doch gerade geht es nicht. Denn gerade ist nämlich alles gut so, gerade ist alles wunderschön. Also muss die Ferne warten, und ich halte mir die Sehnsucht nach ihr – als treuen Begleiter, als guten Freund.

/Dieser Text ist im Rahmen der Adventsreise von Leni und Mo auf Instagram entstanden/

In der Schleife der Zeit

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(c) Kathrin Eß 2016
Als ich vom Bildschirm meines Handys aufblicke, ist die Sonne bereits aus dem Garten verschwunden. Das Wissen, dass sie im Laufe des Tages ihren Weg auch nicht mehr zurückfinden wird, macht mich traurig. Es ist gerade mal 9:08 Uhr.
Die Tage werden immer kürzer und das Jahr und die Zeit im Allgemeinen rasen an mir vorüber. Ich schreibe To-Do-Listen, versuche effizient zu sein. Ich versuche den Moment zu leben, mich in Achtsamkeit zu üben. Ich versuche meine Zeit zu nutzen und scheitere doch kläglich, jeden Tag.
So oft überlege ich, ob das, was ich den ganzen Tag mache, überhaupt richtig ist, suche mich dann selbst, weiß nicht wer ich bin. Ich versuche zu kompensieren, überdenke mein Sein, meinen Schein. Ich will mich ändern, verändern, aber meistens mache ich dann doch nichts. Vielleicht ist eigentlich alles in Ordnung. Vielleicht muss ich gar nichts ändern. So richtig weiß ich es nicht.
Ich schätze, ja, irgendwie hoffe ich sogar, dass das eine Begleiterscheinung des Erwachsenwerdens ist. Dass ich noch formen will, wo längst schon eine Form entstanden ist. Dass ich nur ein Ausweg suche aus der Schleife der Zeit.
Denn am Ende der meisten Tage ist ja doch alles wieder ok, und eins weiß ich mit Sicherheit: Dass die Sonne morgen wieder kurz den Garten berühren wird, aber dass auch das nur eine Phase ist und sie wieder länger bleiben wird. Ja, am Ende der meisten Tage weiß ich, dass das der Fluss der Dinge ist, und dass ich darin schwimmen kann, egal wie stark seine Strömung ist.

Bist du bereit?

Blog, In meinem Kopf, Wortzauber

Kastanien im Herbst (c) Kathrin Eß 2016
Es ist nicht einfach Ruhe in die Gedanken zu bringen, wenn der Alltag mit voller Lautstärke schreit.

Es ist nicht leicht Ordnung im Chaos zu finden,
wenn das Leben einem so viele Dinge zeigt.

Es ist kein Kinderspiel mit Langsamkeit der Hektik zu entrinnen, wenn alles, was fehlt, ist mehr Zeit.

Es gibt so viele Ausreden nicht sofort mit all dem zu beginnen. Dabei gibt es keinen besseren Moment als jetzt, es gibt nur eine Frage:
Bin ich dazu bereit?

Die Ferienwohnung

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Leuchtturm auf Sylt (c) Kathrin Eß 2016 / Die Ferienwohnung

Als ich in der Ferienwohnung ankomme ist alles blitzblank gereinigt. Es wirkt, als hätte sie vor mir niemals jemand betreten: Aufgeräumt und steril, aber zum Glück nicht ungemütlich. Es riecht nach Seife, nach Putz- und Waschmittel. Es riecht unnatürlich, gar nicht so, als ob hier jemals ein Mensch gewesen wäre. Eigentlich ist das ja gut. Wenn man Urlaub macht, weiß man zwar, dass kurz vorher andere Leute den Raum benutzt haben, den man nun für ein paar Tage oder Wochen seine Heimat nennt, aber man will bloß nichts davon merken. Diese Reinheit ist eigentlich also nur positiv. Trotzdem breitet sie ein Gefühl des Unbehagens in mir aus, lässt mich fühlen wie ein Fremdkörper. Ja, ein besonders dreckiger und nach kaltem Schweiß riechender Fremdkörper, denn zehn Stunden Zugfahrt haben deutliche Spuren auf meinem Körper hinterlassen. Ich gehöre nicht hierher, denke ich, und würde eigentlich am liebsten wieder umkehren.
So liege ich abends starr im Bett, kann nicht schlafen, belästigt von dem Geruch des Waschmittels in dem mein Bettlaken wahrscheinlich noch heute morgen gebadet hatte. Ich sage mir, dass ich mich schnell gewöhne, ja, dass ich mich schnell gewöhnen muss. Schließlich habe ich nur eine Woche Zeit.

Sechs Tage später haben die Wohnung und ich uns angeglichen. Ich habe mein Chaos in ihr ausgebreitet, habe sie benutzt, mir zu eigen gemacht. Ich habe sie mit Leben gefüllt, ihr die Sterilität genommen. Ich habe in ihr Kaffee und Essen gekocht, in ihr geduscht und mein Deo benutzt. Ich habe sie mit meinen Gerüchen benetzt. Ich habe auch die Fenster geöffnet, die Luft von draußen, vom Meer hineingelassen. Und selbst war ich auch draußen, am Meer. Dort habe ich mich angepasst, habe mich in den Wellen mit Salzwasser besprenkelt, meine Beine mit Sand paniert, habe meine Haare vom Wind durchwehen lassen, bis ich so roch wie das Meer.
Jetzt, sechs Tage später, trägt die Wohnung die Zeichen und Gerüche meines Urlaubs-Ichs wie ein Parfum. Ihr salziger Meergeruch betört mich, während ich im Bett liege, dem Rauschen der Wellen lausche, glücklich meine Nase wälze in der Wonne des Moments. Sechs Tage später bin ich angekommen, fühle mich nicht mehr fremd. Ich bin zum Teil der Wohnung geworden, nicht wegzudenken, ihr Inventar.
Trotzdem wird es in zwei Tagen wieder weiter gehen, zurück dorthin, woher ich kam. Mit mir werden all diese Gerüche verschwinden, ausradiert und dann ersetzt von anderen Menschen, so lange bis ich wiederkomme im nächsten Jahr.

Müdigkeit / In die Arme des Schlafs

Blog, In meinem Kopf, Mama K.Ess

Müde Frau / (c) Kathrin Eß 2016

Momentan bin ich oft sehr müde. So müde wie noch nie in meinem Leben zuvor. So müde, dass mir nicht nur beim Lesen, sondern auch, wenn ich selbst schreibe, die Augen zufallen. So müde, dass Kaffee nach 18 Uhr mir gar nichts mehr ausmacht. So müde, dass ich es schaffe binnen weniger Sekunden in den Schlaf zu fallen, wenn ich mich einfach nur hinlege. Mein Körper verlangt nach Schlaf und fordert ihn ein wo nur möglich.
Für mich ist das ein ganz fremdes Gefühl, denn eigentlich schlafe ich schon seit Jahren sehr wenig. Spät ins Bett, früh schon wach – das ist eigentlich eher mein Ding. Als Schülerin wollte ich oft lange schlafen, und danach, wenn ich feiern war oder weil es am Wochenende im Bett so gemütlich war. Trotzdem hab ich es nie gekonnt. Mein Körper brauchte es nicht.
Selbst in den ersten Monaten nach der Geburt meiner Tochter hat mir der Schlafverlust recht wenig ausgemacht. Doch jetzt ist alles anders. Die Tage mit einem Baby, das bald ein Kleinkind wird, sind anstrengender, ausgefüllter. Sie brauchen mehr Energie, mehr Kraft, mehr Konzentration. Es ist noch so fremd für mich, so eigenartig. Ich will es noch nicht akzeptieren, doch Schlaf ist mein Freund. Er will mir helfen, mir guttun, mich nicht aufhalten, sondern mich unterstützen bei den Anstrengungen des Lebens.
Aber ich bin lernfähig, auch wenn es schwer ist. Also lass ich das Schreiben sein, schließ die Augen und lasse mich einfach fallen – in die Arme des Schlafs.

/trænˈzɪʃən/

Blog, In meinem Kopf, Wortzauber

Go with the flow / Glückskeks (c) Kathrin Eß 2016Ich sehne mich nach Stillstand. Nur für ein paar Monate nichts Neues erleben, planen, fühlen. Wissen, dass keine Überraschungen auf mich warten, alles total vorausschaubar, alles an seinem Fleck.
Ich sehne mich nach Langeweile, wenigstens für ein paar Stunden. Nicht immer aufmerksam sein, einfach treiben lassen in der Leere, einfach berieseln lassen vom Staub, der auf mich herabfällt, während ich da so liege.
Gerade könnte alles ein bisschen gemächlicher sein: Weniger Speed, mehr Verinnerlichung, weniger Wechsel, mehr Monotonie. Projekte könnten ein Ende finden, Beständigkeit einen Anfang. Ja, das wäre ganz schön.
Aber eigentlich will ich dann doch nicht tauschen, eigentlich bin ich schon im puren Glück. Ich muss mich wohl dran gewöhnen, dass das Leben eine einzige Transitionsphase ist. Ich muss begreifen, das alles anders bleibt, muss einfach mitschwimmen, immer weiter, und dort Ruhe finden, wo es vermeintlich keine Ruhe gibt.

Die Wiederentdeckung der Schönheit

Blog, In meinem Kopf

Der schöne Mosaik-Fußboden in unserem Haus / (c) Kathrin Eß / Mrs K.Ess 2016

Überall uns herum ist Schönheit, doch meistens sehen wir sie nach einer Weile nicht mehr. Da, wo wir beim ersten Entdecken Verzückung empfanden, entwickelt sich mit jedem Ansehen allmählich die Gleichgültigkeit des Alltäglichen. Wir haben keinen Platz im Gehirn um eine solche Emotion ständig zu erfahren, wir haben keinen Platz im Leben um die Schönheit ständig zu erleben. Wir sind abgestumpft, zu sehr in Eile, zu sehr auf unser Inneres fokussiert.
Doch manchmal kommt der Augenblick, der uns wachrüttelt, in der wir die Schönheit plötzlich wiederentdecken, weil wir wissen, dass wir sie so nicht wiedersehen werden. Dann wollen wir sie inhalieren, in jede Zelle aufnehmen, sie nie mehr vergessen. Dann wünschen wir manchmal heimlich, man hätte ihr mehr Platz geben können, der Schönheit. Mehr Platz in unseren Köpfen, mehr Platz in unserem Leben.

Ich hätte so gerne einen Garten

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Kirschblüte (c) Kathrin Eß 2016 / kathriness.com

Ich möchte meine Hände in Erde graben, möchte Blumen pflanzen, Rasen säen.
Ich möchte so gerne Hecken schneiden, Äpfel pflücken, Barfuß über Kieselsteine gehen.
Ich hätte so gerne einen Garten, einen Ort für Kinderlachen, mit Gras um auf dem Rücken Wolken im Vorbeiziehen zu betrachten.
Er muss nicht groß sein, nur schön,
muss bloß Platz haben für Kaffee und Kuchen im Schatten eines alten Baumes.
Er muss nicht groß sein, nur meiner,
muss bloß Platz haben für das Ausleben eines kleinen Traumes.