Das Versprechen der Sonne

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Dach in Berlin im Licht des Sonnenuntergangs / Das Versprechen der Sonne / Mrs K.Ess / (c)Kathrin Eß
Und plötzlich, kurz bevor sie schlafen geht, berührt die Sonne das Dach gegenüber. Sie wärmt es, tönt es in den Farben ihres Feuers. Sie verspricht ihm goldene Tage, gefüllt mit ihrem Licht. Doch bittet sie auch um Geduld, denn ein warmes Dach macht noch lange keinen Sommer. Dann verschwindet sie, und das Dach und ich, wir hoffen, dass sie hält, was sie verspricht.

Aeternitas

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Kathrin Eß - Aeternitas / Himmel und Wolken/ Sky and Clouds /Und schon wieder ist das Jahr schneller als ich, überholt mich, rennt an mir vorbei. Während es schon auf Ende Januar zuläuft, Termine macht, Projekte plant, bin ich noch verkatert von der Silvesternacht, hänge fest am Neujahrstag, will ihn nicht verlassen.
Ich will nicht, dass die Zeit vergeht, will kein Vorwärts, will nur das Jetzt. Ich will noch keine Pläne schmieden, will nicht an das Nächste denken, will nur die Langsamkeit, nur den Moment, für immer und eine Ewigkeit.
Eine Idee kommt mir in den Sinn: Vielleicht verharre ich einfach solange in der Starre, beweg mich nicht, vergess die Zeit. Vielleicht vergisst sie dann auch mich, lässt das Jahr alleine in die Zukunft ziehen, lässt mich zeitlos sein im Hier und Jetzt, zeitlos in der Vergangenheit.

Was kein Foto festhalten kann

In meinem Kopf, Magic, Mama K.Ess

Nanchen vetritt mein schlafendes BabyDa liegt sie neben mir und schläft, und sie ist wunderschön. Ein kleiner Engel der gerade aus dem Himmel hierhergeschickt wurde und ganz erschöpft von seiner Ankunft nun ruhen muss.
Ich weiß, dass das kitschig ist, aber in diesen Momenten kann ich einfach nicht anders. In diesen Momenten, in denen mein Baby das perfekte Baby ist, in denen mich ihre Augen, ihre Wimpern, ihr Wangen, ihr Mund verzaubern, in denen sie irgendetwas Großartiges macht, in denen mich ihr Lächeln umwirft oder – wie jetzt – ihr Schlaf verzückt. Immer dann hole ich meine Kamera raus, mache Fotos wie eine Besessene, weil ich diese Momente für immer festhalten will, weil ich Angst habe sie zu vergessen, für immer zu verlieren.
Ich traue meinem Gehirn nämlich nicht, weiß, dass es nur manche Erinnerungen behalten und viele andere einfach löschen wird. Dabei wünsche ich mir doch so sehr, die schönen Augenblicke mit meinem Kind alle immer und für immer parat zu haben.
Doch leider ist meine Handykamera nur eine bedingt gute Hilfe. Denn obwohl sie und ich gemeinsam schon viele tolle Bilder gemacht haben, kann sie die Situation oft nur als schemenhafte Reproduktion des Moments einfangen.
So wie jetzt. Denn egal von welchem Standpunkt ich den kleinen Engel vor mir ablichte, egal ob mit Blitz oder ohne: Es ist einfach nicht dasselbe. Meine Kamera kann die Schönheit des Moments, meine tiefe Liebe zu diesem Kind einfach nicht festhalten.
Ich denke an die Zeit vor meinem Baby, als ich die Angst zu vergessen noch nicht kannte. Damals machte ich nur wenige Fotos, weil ich wusste, dass die Erinnerung an den Moment viel schöner ist, dass es nur selten Bilder braucht um Gefühle abzuspeichern. Ich nutzte die Bilder, die ich aufnahm als Erinnerungstütze, versuchte gar nicht erst die Magie des Augenblicks festzuhalten.
Dieses Selbstvertrauen von damals macht mir plötzlich wieder Mut. Ich lege das Handy samt Kamera beiseite und meinen Kopf dicht neben den kleinen Engel, präge mir das himmlische Babygesicht tief ein. Ich genieße ihn, diesen Moment der großen Mutterliebe und hoffe, dass mein Gehirn ihn mir auch ohne Foto für immer festhält.

Eine Überraschung in der Stadt

In meinem Kopf, Magic

Krokusse in Berlin Friedrichshain
Heute war einer dieser Tage an denen ich gar nicht so die Lust empfand mit dem Kind im Kinderwagen draußen eine Runde zu drehen. Dabei war das Wetter so schön – kühl, aber sonnig, so prächtig herbstlich.
Am Morgen hatte ich noch große Pläne geschmiedet. Ich wollte eine längere Route wählen vielleicht an der Spree entlang oder durch einen Park. Wie an so vielen Tagen zog es mich in die Natur, also überlegte ich , wo ich diese in der Stadt am besten finden könnte.
Doch meine Pläne und Überlegungen wurden mal wieder vom Chaos des Alltags durchkreuzt. Das Kind war den ganzen Morgen müde, wollte aber nicht schlafen, war hungrig, wollte aber nicht trinken, und weil es wahrscheinlich von sich selbst verwirrt war, weinte es dann halt. Als wir dann endlich an dem Punkt waren, an dem es hinaus gehen sollte, war ich viel zu müde um noch einen weiteren Weg auf mich zu nehmen.
Frustriert und müde lief ich die Parallelstraße entlang. Wenigstens schlief das Kind dabei ein, weshalb ich beschloss, einen längeren Schlenker zu nehmen – eine Runde ums Berghain und durch den Parkstreifen neben der S-Bahn.
Ich mag diese Strecke. Irgendwie freue ich mich immer da spazieren zu gehen, wo die anderen sonst in der Schlange stehen. Außerdem ist das Berghain so ein cooles Gebäude und der Parkstreifen in seiner leicht verranzten Unordnung recht charmant. Heute leuchtete er zudem im Orange, Gelb und Grün des Berliner Altweibersommers. Das war ja doch ganz okay eigentlich, dachte ich.
Als ich dann am Ende des Parks am Street Football-Platz vorbeikam und der Vater der darauf spielenden Familie die Kinder auf eine Art Habicht (leider bin ich ornithologisch nicht so bewandert) hinwies, der da auf einem Pfahl trohnte und wahrscheinlich nach seinem Nachmittagssnack Aussicht hielt, und ich danach ein Beet voller wild wachsender Krokusse fand, die ihre Köpfchen aus dem Laubbett räkelten, erfüllte mich das mit einem Gefühl der Wärme im Herzen.
So schlecht ist die Stadt im Sachen Natur ja gar nicht, dachte ich. Zumindest weiß sie mich ab und an immer noch damit zu überraschen.

Am Ende des Regenbogens

In meinem Kopf, Magic

Regenbogen über Berlin / Rainbow over Berlin / Banksy / Street ArtAm Montag Abend strahlte über Berlin plötzlich ein Regenbogen. Die Menschen, die ich auf den Straßen sah, blickten verzaubert nach oben, wenn auch nur für einen kurzen Moment. Dann zückten sie – genau wie ich – ihre Handys oder Kameras und fotografierten das Naturspektakel. Viele teilten es gleich auf ihren sozialen Netzwerken. Einer meiner „Freunde“ dort schrieb zu seinem Bild sinngemäß: „Bin dann mal auf der Suche nach dem Topf voller Gold“. Für einen Augenblick musste ich schmunzeln. Jeder, der wie ich das Magische im Leben liebt, würde wahrscheinlich gerne einmal über einen Regenbogen wandern, die Welt durch seine Farben sehen und dann am Ende angekommen, den Goldopf abstauben.
Doch dann schoss mir ein anderer Gedanke in den Sinn: Wollen wir eigentlich wirklich diesen Topf voller Gold? Müssen wir immer das ultimative Ziel erreichen um glücklich zu sein, oder reicht vielleicht der Weg dahin? Je länger ich darüber nachdachte, kam ich immer nur zum gleichen Ergebnis: Es reicht wahrscheinlich schon aus, wenn man es überhaupt auf Regenbogen schafft, und dann auf ihm wandern darf. Wo genau am Ende das Ziel liegt, ist nur eine Frage der eigenen Perspektive.

Daisy // Kurzgeschichte

Kurzgeschichten, Magic, Wortzauber

Ich stehe vor dem Fahrstuhl und warte geduldig bis er sich langsam zu mir herunter bewegt hat um mich und sich dann, ebenso langsam und leicht ächzend wegen des zusätzlichen Gewichts, wieder hinauf zu tragen. Der Weg in den sechsten Stock ist lang, beschwerlich und in meinem Gesundheits-, oder soll ich Krankheitszustand sagen, eher mit Ausdauersport als mit alltäglicher Bewegung zu vergleichen. Ich war an diesem Morgen nicht alleine aufgewacht. Eine starke Hitze und ein hartnäckiger Schmerz hatten sich zu mir unter die Bettdecke gesellt – die gemeinen Vorboten eines hinterlistigen Infekts. Mit mir war nichts anzufangen gewesen. Daher auch meine Geduld. Ich bin ja so oder so krank und habe keine Eile, denke ich. Werde schon nicht sterben, versichere ich mir zusätzlich. Ich röchele also vor mich hin und starre in die Leere, während der Lift sich mit einem gemächlichen Countdown vom Obergeschoss bis zu mir bewegt. Dann gesellt er sich zu mir.

Die Haustür des herrschaftlichen Berliner Mehrfamiliengebäudes öffnet sich und für einen Moment bin ich geblendet von dem hellen Tageslicht, das mit der eintretenden Person den Flur erleuchtet. Meine Augen sind auch nicht wirklich fit, sage ich mir. Mit dem Licht betritt, wie gesagt, eine weitere Person den Flur. Als die Tür sich durch den dafür vorgesehenen Mechanismus von selbst schließt und den Hausflur wieder mit seiner indirekten Beleuchtung durch das milchige Glas, welches die Tür einrahmt, alleine lässt, erkenne ich die Person als äußerst klein geratenen Greis.

Der Mann wirkt alt, sehr alt, und erinnert an einen der Zwerge aus dem letzten Hobbit-Film, denn er ist tatsächlich noch kürzer als ich es bin (und ich bin schon sehr klein!) und seine rote Knollennase hat auch nur entfernt menschliche Züge. Er ist hager und sieht ungewaschen aus, auf seinem fettigen langem Haar trägt er einen Anglerhut, den bis zur Brust reichenden Bart hält er mir einem Haargummi zusammen. Bizarr!

Zeitreisen

In meinem Kopf, Magic

2013-02-20 15.06.00

In die Heimat reisen, an den Ort an dem man aufgewachsen ist, den man aber schon lange hinter sich gelassen hat, um an einem anderen Ort seine neue Heimat aufzubauen, ist für mich immer auch eine Reise in die Vergangenheit gewesen. Etwas, dass ich hinter mir gelassen habe, weil ich es so wollte. Dort befindet sich die Familie, die mich groß gezogen hat, das Haus in dem ich lebtes, mein Zimmer, meine Schule und auch eine Bushaltestelle an der ich immer mit meinen Homies abgehangen hab (Ich komm vom Dorf, bei mir war das so!).

Jeder sprichwörtliche „kleine Stein“ – soweit er dann noch existiert – hat sich mit meinen Erinnerungen verbunden, zu einem neuen chemischen Element fernab von der existierenden Realität. Ja, genau das habe ich bei meinem letzten Heimatbesuch bemerken müssen. Etwas hatte sich für mich geändert. Die Gestalt, die ich diesem kleinen Stein schenke, wenn ich über all die guten und schlechten Erlebnisse aus meiner Vergangenheit nachdenke, die ich ihm zuteile, weicht in Wahrheit ab von seiner aktuellen Wirklichkeit.

one year

Magic


One year Berlin has gone by. My first. Slowly time has passed, but still so quick. Nearly unnoticed, but still every second embraced. I remember the day I arrived as if it happened yesterday and still it seems so far away. People I’ve met: people that left, others that just stepped into my life. Places new and different have become my home. But still so much to discover. And inbetween, swimming with time and within this space: me. Flowing with and sometimes standing up in the current, trying to be a rock – rough but secretly shaped by new waves. Another year is coming up. And new streams will pass, some warm others ice cold. And I will still stand up straight: enjoy and doubt, love and loathe, live and let go. Just be and not attempt. Things will happen anyway.

Im Schnee

Magic

Berlin im Winter

Schön liegt sie da, die große Stadt, zugedeckt mit einem weißen Mantel.
Der Asphalt verschwindet darunter und auch die Dächer haben sich weiße Mützen angezogen.

Man selbt sucht Wärme, die Kinder haben Spaß: Schneeballschlachten und Schlittenfahrten mit roten Wangen. Ich hätte nicht gedacht, dass es das auch hier in den Häuserschluchten gibt.

Manch miesgelaunter Mensch verflucht es schon: die Kälte, den Schnee, das Eis. Er versteht wohl nicht mehr das Besondere zu sehen, die Einzigartigkeit die sich uns gerade zeigt.

Auch ich kraksel mir meinen Weg über die Schneedünen und Schlittschuhbahnen auf den Bürgersteigen,
auch mir ist kalt. Aber ich fluche nicht, genieße es: die Ruhe, die Schönheit, die Andersartigkeit des winterlichen Moments.

Mit einem Lächeln betrachte ich die Decke aus Schnee.
Berlin, auch in weiß bist du wunderschön.