Angst, Zuversicht & Liebe

In meinem Kopf
IMG_9534
Der Kater ist bereits vorüber, der letzte Feuerwerkskörper längst verglüht. Nur noch die Fetzen der Luftschlangen im Wohnzimmer und der Raketen auf den Straßen erinnern an das, was gestern war, und der Kalender präsentiert den Januar bereits, als sei das die natürlichste Sache der Welt. Ist es ja auch. Die Jahre wechseln sich, tauschen sich aus, ohne Rücksicht zu nehmen auf die, die sie leben. Mit dem Alter werden sie erbarmungsloser, immer mehr. Wir jagen ihnen nur so hinterher, ahnungslos, was sie wohl bringen mögen.
Auch ich gehöre zu den Jägern der Zeit, rase mit den Zeigern, Zahlen und Kalenderblättern, bleibe dabei jedoch erfolglos, denn niemals hole ich sie ein. Trotzdem versuche ich es, fasse Ziele ins Auge, hoffe, dieses Mal mit der Zeit Schritt zu halten, jogge neben ihr her. Zumindest ein bisschen. Bis sie wieder an mir vorbeizieht, hämisch lacht und mich keuchend zurücklässt.
Dieses Jahr scheint es mir sogar noch wichtiger die Zeit als meinen Verbündeten zu wissen. Dieses Jahr werde ich, ja, muss ich Dinge anpacken. Die Dinge, die ich vorher nicht gewagt habe, zu denen ich zuvor niemals den Mut hatte. Ich will Wege gehen, die ich bislang für unmöglich hielt, werde meine Komfortzone – dieses gemütliche kleine Nest – verlassen, die Flügel ausbreiten, kräftig flattern und dann sehen, wohin der Wind mich trägt. Ich freue mich auf diese Wege, auf ihre Steine und Steigungen, auf ihre Ausblicke und auf das, was ich aus ihnen lernen werde, auch wenn das Ziel nur schemenhaft erkennbar ist. Zum ersten Mal weiß ich, dass der Weg nämlich schon ein Teil des Ziels ist, auch wenn das noch so abgedroschen klingt.
Natürlich ist da auch immer noch die Angst – zu scheitern und vor der eigenen Courage sowieso. Aber diesmal begrüße ich sie, heiße sie als meinen Begleiter willkommen, denn nur so kann sie sich nicht mehr in meinen Weg stellen. Also gehe ich heute los, mit ein wenig Angst und großer Zuversicht, aber vor allem auch mit viel Liebe. Denn sie ist dieses Jahr der Antrieb, vor allem als Liebe zu dem, was ich tue, aber ganz besonders auch, weil es einen kleinen Menschen in meinem Leben gibt, für den ich das alles tue. Einen kleinen Menschen, dem ich zeigen will, dass nichts unmöglich ist, dass man sich immer wieder finden kann, auch wenn man sich selbst verloren glaubte. Sie, deren Liebe die größte Belohnung ist. Sie, der ich alles geben und ermöglichen will. Das war mir niemals so klar wie jetzt.
Also gehe ich meinen Weg. Für mich und für sie. Mit tollen Menschen an meiner Seite. Mit Angst, Zuversicht und Liebe.

Sehnsucht

Blog, In meinem Kopf, Wortzauber

Sehnsucht/Sonnenuntergang (c) Kathrin Eß 2016Manchmal wünschte ich, ich wäre ein Vogel. Ich würde meine Flügel ausbreiten und einfach losfliegen. Der Sonne entgegen. Vielleicht auch weit von ihr weg. Durch die Lüfte würde ich schweben, alles sehen, was die Erde zu bieten hat. Denn ich sehne mich nach der Ferne, ich sehne mich nach der Welt. Würde so gern mehr erleben, Neues kennenlernen, Fremdes erfahren, doch gerade geht es nicht. Denn gerade ist nämlich alles gut so, gerade ist alles wunderschön. Also muss die Ferne warten, und ich halte mir die Sehnsucht nach ihr – als treuen Begleiter, als guten Freund.

/Dieser Text ist im Rahmen der Adventsreise von Leni und Mo auf Instagram entstanden/

Das beste Jahr – Ode an einen kleinen Menschen

In meinem Kopf, Mama K.Ess

 Babyhand Fliegenpilz/ Glückspilz Ich hatte schon viele gute Jahre, auch schon viele sehr gute, doch 2015 war bis jetzt das beste. 
Der Grund ist noch keine 70cm groß, kann noch nicht laufen und nicht sprechen, aber schafft es jeden Tag aufs Neue, auf seine Art und Weise mein Herz zu erobern. Der Grund ist mein Töchterchen. 
Ich will hier nicht erzählen wie schön, cool und schlau ich sie finde, oder wie fasziniert ich von allem bin, was sie macht, denn das ist ja völlig klar. Ich will hier auch keine Details aus unserem Jahr wiedergeben, denn darum geht es hier nicht. Lieber will ich eine kleine Ode an sie schreiben. Ein Loblied darüber, was sie mit mir, ja, aus mir macht.
Denn dieses bezaubernde kleine Wesen hat die Welt von Mr. Ess und mir auf den Kopf gestellt. Sie hat Magie und Chaos dort in unser Leben gebracht, wo wir es bisher nicht für möglich hielten. 
Natürlich wäre es gelogen, wenn ich behauptete, dass das Leben mit Baby ein reines Zuckerschlecken wäre. Natürlich war ich früher viel freier, geselliger, spontaner und ausgeschlafener. Aber um keinen Preis der Welt würde ich mein Leben mit Kind wieder gegen das Leben ohne Kind tauschen wollen. 
Jeder Tag mit ihr ist ein Geschenk, jede ihrer Entwicklungen ein Fest, ihre pure Existenz bereichert meine Welt bis ins Unbeschreibliche. 
Sie hat mich verändert, kitzelt Neues, Gutes aus mir heraus, hilft mir über meinen eigenen Schatten zu springen, mich Dinge zu trauen, mir selbst zu vertrauen. Sie schenkt mir eine andere Perspektive und zeigt mir jeden Tag, wie groß und wichtig auch das Kleine sein kann. 
Ich habe nicht gewusst, dass ich so viel Liebe und Stolz empfinden kann. Ich bin so glücklich, dass ich es jetzt weiß.
2015 war das bisher beste Jahr, weil seit diesem Jahr mein Töchterchen in meinem Leben ist. Und das Schönste ist, dass ab jetzt jedes Jahr das beste wird.

Sich wieder an die Welt gewöhnen

In meinem Kopf, Mama K.Ess

Pram and landscape black and white / Kinderwagen und Landschaft schwarzweißFast sechs Monate lang habe ich unser Nest gehütet. Frei gewählt, ohne Zwang. Denn es war und ist für mich das Schönste bei meinem Baby zu sein, es zu umsorgen, mit der Kleinen zu spielen und zu kuscheln, sie wachsen zu sehen.
Ich gebe zu, dass das Zentrum meiner Welt mein Baby ist, dass nichts so eine große Rolle spielen kann wie sie. Ich gebe zu, dass ich deshalb Freundschaften ein wenig hab schleifen lassen. Ich bin häuslich gewesen, habe nur Leute getroffen, wenn sie nachmittags Zeit hatten oder abends zu uns gekommen sind. Wahrscheinlich hätte ich ausgehen können, doch ich wollte nicht.
Dabei hatte ich mir vor der Geburt alles anders vorgestellt. Ich dachte, dass ich schon nach wenigen Monaten wieder durchstarte und einigermaßen mein altes soziales Leben wieder aufnehme. Ich dachte, dass ich nicht lange stillen und bald wieder mal ein Glas trinken werde. Und was ich vor allem nicht wusste, war, wie schwierig es wird, sein Kind jemand anderem anzuvertrauen. Dabei war mir eigentlich klar, wie wichtig es auch für sie ist, wie gut andere Menschen neue Nuancen in das Leben eines Kindes bringen. Doch es war auch noch nicht an der Zeit, das wusste ich. 
Aber das ist es jetzt, und deshalb habe ich auch jetzt damit begonnen. Ganz Langsam, Schritt für Schritt. 
Mit Abenden, die das Baby allein mit Mr. Eß verbringt, mit einem ersten Babysitter-Date mit meinen Eltern. Und ja, es tut gut, wieder die Welt ohne Kind zu sehen, auch wieder nur ich zu sein. Und es tut auch gut zu merken, dass ich anderen das Baby anvertrauen kann, dass sie auch ohne mich bei anderen lieben Menschen eine gute Zeit haben kann.
Auch habe ich mir wieder Projekte gesucht, beschlossen wieder mehr zu schreiben. 
Das tut gut, denn es zeigt mir, dass ich immer noch mehr kann als nur eine Mutter zu sein – obwohl das schon ganz schön viel ist.
Und so, ganz ganz langsam gewöhne ich mich wieder an die Welt, öffne mich ihr Stück für Stück. Und auch, wenn das gut tut, kehre immer wieder in unser Nest zurück – als stärkere, bessere Mama. Als ich.

Vom Loslassen und Wachsen

In meinem Kopf, Mama K.Ess

3 Babysöckchen, WachstumMein Baby ist jetzt drei Monate alt. Sie ist ein glückliches und gesundes Kind und ich bin deshalb eine überglückliche Mama. Ich genieße es jede Minute so nah wie möglich bei ihr zu sein, sie beim Wachsen zu beobachten. Doch wie das nunmal so ist, bahnt sich langsam aber sicher der erste Abschied an. Denn die Kleine wächst aus dem Babybettchen heraus, das direkt an meine Seite des Betts angedockt ist.

Wo vor drei Monaten ein kleines Mäuschen etwas verloren lag, schläft nun eine „große“ Maus, die in ein paar Wochen mit Kopf und Fuß ans jeweilige Bettende anstoßen wird.
Es wird also Zeit für das erste Kinderbett, es wird Zeit loszulassen. Denn auch wenn das neue Bett ebenfalls in direkt neben mir stehen wird, ist es nicht mehr nur ein Griff nach links mit dem ich mein Baby zu mir herüberziehen kann.

Dieser ist natürlich nur einer von vielen Momenten des Loslassens, die man als Mutter (und oft natürlich auch als Vater) durchmachen muss. Es beginnt schon mit dem Ende der Schwangerschaft, dem Akt der Geburt. Viele Monate war dein Baby sicher in deinem Bauch und plötzlich gibst du ein Stück Nähe auf, während dein Liebstes seinen ersten Schritt ins Leben getan hat. Es folgen viele weitere.
Meine aktuelle Situation ist also nur eine von vielen. Denn mit jeder Kleidergröße, aus der dein Kind hinauswächst, mit jedem Neuen, was dein Kind lernt, wirst du als Mutter auch mit einem neuen Abschied konfrontiert.

Das Loslassen ist eine Kunst, die jede Mutter erst einmal lernen muss. Es ist schmerzlich, denn für Konservativität haben Kinder keine Zeit. Das Wachstum, die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, und so das ist auch gut. Denn so wie unsere Mütter uns zu den Menschen heranwachsen haben lassen, die wir jetzt sind, müssen wir gleiches für unsere Kleinen tun. Und auch wenn es manchmal schwer ist, den Abschied zu akzeptieren, ist es viel wichtiger, im Jetzt zu leben, die Fortschritte zu feiern, dein Kind mit Haut und Haaren zu genießen, so wie es gerade ist.

Jetzt wo ich selber eine Mama bin, verstehe ich meine Mutter und ihr Handeln in der Vergangenheit so viel besser. Ich bin so stolz auf sie, dass sie mich trotz allem hat gewähren lassen, auch wenn das bestimmt nicht leicht war. Mit meiner Mutterwerdung hat auch für sie ein neues Loslassen begonnen, denn ich habe nun meine eigene Familie, muss mich selbst um ein kleines Wesen kümmern. Doch hat auch das etwas schönes an sich, nämlich, dass es mich ihr, wie oben erwähnt, noch ein Stück näher bringt. Sie hat es richtig gemacht, und so will ich es auch für meine Tochter tun.

Ich greife also nach links, nehme die Hand meiner Tochter und streichle ihren Kopf. Ich freue mich auf die Zukunft mit ihr und hoffe, dass ich immer im richtigen Moment loslassen kann.