Angst, Zuversicht & Liebe

In meinem Kopf
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Der Kater ist bereits vorüber, der letzte Feuerwerkskörper längst verglüht. Nur noch die Fetzen der Luftschlangen im Wohnzimmer und der Raketen auf den Straßen erinnern an das, was gestern war, und der Kalender präsentiert den Januar bereits, als sei das die natürlichste Sache der Welt. Ist es ja auch. Die Jahre wechseln sich, tauschen sich aus, ohne Rücksicht zu nehmen auf die, die sie leben. Mit dem Alter werden sie erbarmungsloser, immer mehr. Wir jagen ihnen nur so hinterher, ahnungslos, was sie wohl bringen mögen.
Auch ich gehöre zu den Jägern der Zeit, rase mit den Zeigern, Zahlen und Kalenderblättern, bleibe dabei jedoch erfolglos, denn niemals hole ich sie ein. Trotzdem versuche ich es, fasse Ziele ins Auge, hoffe, dieses Mal mit der Zeit Schritt zu halten, jogge neben ihr her. Zumindest ein bisschen. Bis sie wieder an mir vorbeizieht, hämisch lacht und mich keuchend zurücklässt.
Dieses Jahr scheint es mir sogar noch wichtiger die Zeit als meinen Verbündeten zu wissen. Dieses Jahr werde ich, ja, muss ich Dinge anpacken. Die Dinge, die ich vorher nicht gewagt habe, zu denen ich zuvor niemals den Mut hatte. Ich will Wege gehen, die ich bislang für unmöglich hielt, werde meine Komfortzone – dieses gemütliche kleine Nest – verlassen, die Flügel ausbreiten, kräftig flattern und dann sehen, wohin der Wind mich trägt. Ich freue mich auf diese Wege, auf ihre Steine und Steigungen, auf ihre Ausblicke und auf das, was ich aus ihnen lernen werde, auch wenn das Ziel nur schemenhaft erkennbar ist. Zum ersten Mal weiß ich, dass der Weg nämlich schon ein Teil des Ziels ist, auch wenn das noch so abgedroschen klingt.
Natürlich ist da auch immer noch die Angst – zu scheitern und vor der eigenen Courage sowieso. Aber diesmal begrüße ich sie, heiße sie als meinen Begleiter willkommen, denn nur so kann sie sich nicht mehr in meinen Weg stellen. Also gehe ich heute los, mit ein wenig Angst und großer Zuversicht, aber vor allem auch mit viel Liebe. Denn sie ist dieses Jahr der Antrieb, vor allem als Liebe zu dem, was ich tue, aber ganz besonders auch, weil es einen kleinen Menschen in meinem Leben gibt, für den ich das alles tue. Einen kleinen Menschen, dem ich zeigen will, dass nichts unmöglich ist, dass man sich immer wieder finden kann, auch wenn man sich selbst verloren glaubte. Sie, deren Liebe die größte Belohnung ist. Sie, der ich alles geben und ermöglichen will. Das war mir niemals so klar wie jetzt.
Also gehe ich meinen Weg. Für mich und für sie. Mit tollen Menschen an meiner Seite. Mit Angst, Zuversicht und Liebe.

In der Schleife der Zeit

Blog, In meinem Kopf

(c) Kathrin Eß 2016
Als ich vom Bildschirm meines Handys aufblicke, ist die Sonne bereits aus dem Garten verschwunden. Das Wissen, dass sie im Laufe des Tages ihren Weg auch nicht mehr zurückfinden wird, macht mich traurig. Es ist gerade mal 9:08 Uhr.
Die Tage werden immer kürzer und das Jahr und die Zeit im Allgemeinen rasen an mir vorüber. Ich schreibe To-Do-Listen, versuche effizient zu sein. Ich versuche den Moment zu leben, mich in Achtsamkeit zu üben. Ich versuche meine Zeit zu nutzen und scheitere doch kläglich, jeden Tag.
So oft überlege ich, ob das, was ich den ganzen Tag mache, überhaupt richtig ist, suche mich dann selbst, weiß nicht wer ich bin. Ich versuche zu kompensieren, überdenke mein Sein, meinen Schein. Ich will mich ändern, verändern, aber meistens mache ich dann doch nichts. Vielleicht ist eigentlich alles in Ordnung. Vielleicht muss ich gar nichts ändern. So richtig weiß ich es nicht.
Ich schätze, ja, irgendwie hoffe ich sogar, dass das eine Begleiterscheinung des Erwachsenwerdens ist. Dass ich noch formen will, wo längst schon eine Form entstanden ist. Dass ich nur ein Ausweg suche aus der Schleife der Zeit.
Denn am Ende der meisten Tage ist ja doch alles wieder ok, und eins weiß ich mit Sicherheit: Dass die Sonne morgen wieder kurz den Garten berühren wird, aber dass auch das nur eine Phase ist und sie wieder länger bleiben wird. Ja, am Ende der meisten Tage weiß ich, dass das der Fluss der Dinge ist, und dass ich darin schwimmen kann, egal wie stark seine Strömung ist.

Aeternitas

Blog, In meinem Kopf, Magic, Wortzauber

Kathrin Eß - Aeternitas / Himmel und Wolken/ Sky and Clouds /Und schon wieder ist das Jahr schneller als ich, überholt mich, rennt an mir vorbei. Während es schon auf Ende Januar zuläuft, Termine macht, Projekte plant, bin ich noch verkatert von der Silvesternacht, hänge fest am Neujahrstag, will ihn nicht verlassen.
Ich will nicht, dass die Zeit vergeht, will kein Vorwärts, will nur das Jetzt. Ich will noch keine Pläne schmieden, will nicht an das Nächste denken, will nur die Langsamkeit, nur den Moment, für immer und eine Ewigkeit.
Eine Idee kommt mir in den Sinn: Vielleicht verharre ich einfach solange in der Starre, beweg mich nicht, vergess die Zeit. Vielleicht vergisst sie dann auch mich, lässt das Jahr alleine in die Zukunft ziehen, lässt mich zeitlos sein im Hier und Jetzt, zeitlos in der Vergangenheit.

Die Sache mit der Zeit (und warum wir vermeintlich immer so verdammt wenig davon haben)

In meinem Kopf

UhrIn meiner Transitionsphase von einem Lebensabschnitt zum nächsten stoße ich immer wieder auf die gleiche Problematik. Ich nenne sie hier vereinfacht „Die Sache mit der Zeit“. Immer wieder verspüre ich die Angst zu wenig Zeit für gewisse Sachen zu besitzen, die Zeit zu verschwenden oder die beste Zeit bereits verpasst zu haben. Ich weiß, ich bin damit nicht alleine.

Zeit spielt immer eine große Rolle im Leben der Menschen. Laut der Definition auf Wikipedia beschreibt Zeit „die Abfolge von Ereignissen, hat also im Gegensatz zu anderen physikalischen Größen eine eindeutige, unumkehrbare Richtung.“ Unumkehrbar. Nur ein Wort braucht es um sich der Brisanz des Problems „Zeit“ vor Augen bewusst zu werden.

Zeit führt uns unsere Endlichkeit vor Augen. Sie schreitet voran ohne uns um Erlaubnis zu fragen. Wir können sie nicht zurückdrehen noch können wir ihr wirklich voraus sein – zumindest sehr selten, aber das ist eine andere Geschichte. Wir müssen ihrem Diktat Folge leisten, hat der Tag doch nur eine gewisse Anzahl an Stunden, und sind diese bis ans Ende unseres Lebens doch mehr oder weniger gezählt. Gerade deshalb wollen wir jede Minute, die wir haben, in vollen Zügen nutzen und genießen – zumindest wenn wir immer könnten, wie wir wollten.

In der Umsetzung sieht die Sache mit der Zeit nämlich leider ganz anders aus, denn das Leben ist ja nicht nur um des Lebens Willen für den puren Hedonismus da. Betrachtet man uns Menschen als die hochentwickelten Tiere, die wir nun mal sind, brauchen wir zuerst einmal schon sehr viel Zeit dafür unsere grundlegenden Bedürfnisse zu stillen.
Vielleicht bin ich nicht auf dem neuesten Stand der Sozialpsychologie, doch für mich stellt Maslows Bedürfnishierarchie immer noch ganz gut dar, worum es uns Menschen im Leben gehen sollte. Übersetzt und abstrahiert bedeuten Maslows Stufen: Wir wollen essen, lieben, Geld verdienen, wohnen, Freundschaften pflegen und so weiter. Haben wir alles das erreicht und sind am oberen Ende angekommen, wollen wir dann sogar noch mehr: Wir wollen uns selbst verwirklichen – wie auch immer das aussehen mag.

Soweit die Theorie, doch steht diese auch hier mal wieder im Konflikt mit der Praxis. Schaut man sich diese an, könnte man nämlich den Eindruck bekommen, dass wir mittlerweile schon so weit sind, dass wir sehr früh lieber mit der Spitze der Hierarchie beginnen wollen anstatt uns zuerst um den Rest zu kümmern – zumindest in der westlichen Welt.
Das kann uns ja auch keiner verübeln. Schließlich werden wir in ein Umfeld geboren, in dem wir relativ automatisch die ersten drei Stufen schon befriedigt haben ohne etwas dafür zu tun. Und im Idealfall hält das auch noch an, bis wir schon selbst gut für uns sorgen können. Demnach können wir uns auch in jungen Jahren schon mit individuellen Zielen und Träumen der Selbstverwirklichung beschäftigen – zumindest glauben wir, dass es so sein sollte.

Ich selbst bin so ein Fall. Blicke ich auf die letzten 30 Jahre meines Lebens zurück, habe ich eigentlich immer nur selbstverliebte Ziele im Kopf gehabt. Schon meine ersten Berufswünsche (Ballerina oder Musicalstar) hatten herzlich wenig mit der Realität zu tun. Und sogar heute noch ist mir meine Selbstverwirklichung immer extrem wichtig. Natürlich ist mir nach und nach klar geworden, dass ich etwas ordentliches Lernen muss um mir den bequemen Lebensstil, den ich habe und somit auch meine Hoffnung auf Selbstverwirklichung, weiterhin zu ermöglichen. Trotzdem kämpfen beide Dinge immer noch beherzt miteinander.

Womit ich wieder zur Sache mit der Zeit komme. Denn egal wie sehr ich am liebsten immer nur schreiben möchte: Ich muss mich erst einmal auf die Basics konzentrieren. Ich brauche einen Job, der mir meine körperlichen und Sicherheitsbedürfnisse garantiert. Ich brauche Zeit um diesen Bedürfnissen nachzugehen und um mich meiner Familie und meinen Freunden zu widmen. Erst dann sollten meine Träume dran sein.
Es kommt mitunter vor, dass ich genau das aus den Augen verliere und beginne, mich über diesen Mangel an Zeit für mich zu beschweren oder verlorener Zeit hinterher zu weinen.

Doch ich habe etwas gelernt: Zu Leben, Mensch zu sein bedeutet mehr als das. Ich bin immer noch in einer sehr privilegierten Situation, in der ich mich dafür entscheiden kann, wofür ich Zeit habe. Aber ich habe mir auch geschworen, besser, ja verantwortungsvoller mit der Zeit umzugehen. Ich stelle nun also diesen Beitrag online, mache den Computer aus und wünsche euch allen einen schönen Abend – hoffentlich mit viel Zeit.

Bewegung

In meinem Kopf

windowDu blickst in den Himmel und plötzlich ist es Sommer, auch wenn die Schäfchenwolken dort eben versuchen dir etwas anderes zu suggerieren. Du verstehst nicht, wie es sei kann, dass das Jahr schon wieder so weit fortgeschritten ist, ohne dich über seinen Verbleib zu informieren. Auf dem Balkon gesessen hattest du ja bislang noch nicht oft, vielleicht mal ein Eis gegessen, aber im Park warst du noch keinmal. Es kann nicht so sehr Sommer sein, möchtest du dir gerne versichern um der unaufhaltsamen Spirale der Vergänglichkeit der Zeit zu entrinnen. Der richtige Sommer ja der kommt bestimmt noch.

Du weißt, dass die Zeit gerade dein Freund aber auch dein Feind ist. Einerseits hast noch so viel vor, aber jeden Moment kann sie ablaufen, vorbei sein. Andererseits willst du so gerne etwas neues beginnen, doch dafür verläuft sie nicht schnell genug. Zeiger rennen los und verschnaufen dann wieder nahezu grundlos, ohne eine Regelmäßigkeit dahinter entdecken zu lassen. Doch die meiste Zeit der Zeit fühlst du dich wie ein Läufer, der sich gerade zum Sprint niedergelassen hat und auf den Startschuss wartet um endlich seine 100 Meter zu spurten. Aber es passiert einfach nichts. Du hast hart trainiert um an diesen Moment zu kommen, aber du kannst dich gegen die äußeren Mächte nicht wehren. Auch den Ort zu verlassen scheint nicht die richtige Lösung, denn was wäre, wenn der Startschuss kommt, und du nicht mitlaufen darfst.

Also verharrst du weiter an Ort und Stelle und hoffst, dass es endlich weitergeht. Und wenn du den Blick vom Himmel in deine Umgebung schweifen lässt, wird dir klar, dass auch hier endlich der Sommer angekommen ist und wenn du schon hier bleiben musst, solltest du auch ohne Bewegung dein Sein und deine Zeit endlich genießen.