Die Gefühle

IMG_9308Was ist, wenn du ein Gefühl hast, das du nicht rauslassen kannst, wenn es sich festsetzt, wie Haare in einem Ablussrohr, dort ganz langsam ein Barriere bildet, undurchdringlich für alle anderen Gefühle? Was ist, wenn sich diese anderen Gefühle dann dahinter aufstauen, immer fester drücken, das Rohr fast zum brechen bringen? Wirst du einfach nur in deinen Gefühlen herumstochern, mit einem Draht zu fein, um etwas auszurichten, zu stark um es nicht noch mehr zu verschlimmern? Wirst du schließlich zu härteren Mitteln greifen, bis deine Gefühle nur noch eine weiße Suppe sind, in der du langsam davon spülst? Wirst du sie zutage fördern, dich mit ihrer Abartigkeit auseinandersetzen, mit dem Klumpen, der sie inzwischen geworden sind? Oder wirst du warten bis das Rohr schließlich bricht, und du in einem Scherbenhaufen sitzt, aber auf deiner Hand deine Gefühle?

Der Gärtner

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Und so stehe ich hier, mit Gummistiefeln und Handschuhen, mit Schaufel und Schere, in der Wildnis meiner Gedanken, weiß wie so oft nicht, wo ich beginnen soll. Ich kann nicht unterscheiden, was ist Unterkraut, was sind Pflanzen, begreife nicht, was weg muss, was mir am Ende einen Nutzen zollt. Also beginne ich einfach, buddle hier, schneide dort. Ich pflanze und sähe, behalte und schmeiße fort. Ich forme, was ich mag, ich schenke ihm Raum, lass es gedeihen. Ich höre nie auf, selbst im Winter nicht, verbringe jeden Tag im Freien. Ich sehe die Schwielen an meinen Händen, die gebückte Haltung meines Seins. So pflege ich meine Seele, bin der Gärtner meines Schicksals, der Gestalter meines Scheins.

Die bunte Seele

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Ach, Herbst. Du bist doch auch nur der Frühling des Winters. Bewegst dich in ewiger Tansition als Überbringer des Neuen, des Kontrasts zu dem, was gestern war. Ich muss ja gestehen, ich mag dich, Herbst. Du bist hübsch anzusehen, mit deinen vielen Farben, bist gemütlich, egal ob warm oder nass. Bist nicht beständig in deinem Streben, bist mal regnerisch, mal sonnig, mal stürmisch. Du weißt halt zu überraschen, Herbst, bist ein Dickkopf durch und durch. Wir können dir nur zusehen, uns deinem Willen fügen. Wir nehmen dich an, machen das beste aus dir, mit dem Gesicht in Sonne oder Nebel, unter Mütze oder Regenschirm. Wir werfen Blätter, sammeln Kastanien, tragen Laternen von Haus zu Haus, trinken Tee, machen Feuer und lesen Geschichten. Wir basteln aus dem, was du uns vor die Füße wirfst, trotzen so deinen langen Schatten. Ach, Herbst, ich mag dich, in der Vielzahl deiner Form, in deiner Unbeständigkeit, deiner sanften Rauheit. Ich mag dich, lieber Herbst, dich und deine bunte Seele.

Brief an die Angst

Hallo Angst, ich mag dich nicht.
Du unterbrichst mein normales Leben, dann, wenn es mir überhaupt nicht passt. Du bist die Erinnerung daran, dass alles jeden Moment vorbei sein könnten: der Alltag, das Gute, das Schöne. Unterbrochen, zerrüttet, neugeboren in einer Welt von Schwermut, von Schmerz.
Ich würde dich lieber ignorieren. Ist doch viel einfacher, viel netter ohne Dich. Aber gerade geht das einfach nicht. Gerade bist du nicht mehr weit entfernt, stehst vor meiner Haustür, klopfst täglich an. Du schleichst dich in mein Internet, schaffst immer wieder den Sprung in meinen Kopf und schließlich in mein Herz.
Am Sonntag entscheiden wir über die Richtung, in die dieses Land gehen wird, daher kommt meine Angst. Es ist die Angst davor, dass die eine Stimme bekommen, die sich von der Angst anderer ernähren, die sie deshalb schüren, immer mehr Benzin kippen in ein Feuer, das eigentlich ausgelöscht sein sollte. Es sind die, die aus der Geschichte nichts gelernt haben, die, denen ein Menschenleben scheinbar egal ist, solange es nicht das eigene ist. Die, die Profit ziehen aus dem Elend anderer, die sich selber das Wort herumdrehen, bis sich dem einen Zuhörer der Magen verkrampft und der andere seinen Hass in die Welt hinaus brüllen möchte.
Sie sind es, die mir Angst machen. Die, die der Angst der anderen eine Heimat versprechen, die gar nicht existieren darf. Denn statt eine Lösung der Probleme zu bieten, suchen sie nach einem Sündenbock. Statt ihren Anhängern eine Stimme zu geben, lassen sie sie nur schreien, so dass niemand ihr Wort versteht. Statt an die Vernunft zu appellieren, schüren sie den Hass. Statt zu vereinen, treiben sie immer mehr den Keil zwischen uns, die eigentlich miteinander reden, einander verstehen sollten.
Ja, Angst, du kommst von ihnen. Sie sind die Väter und Mütter meiner Angst, die, die die Gesellschaft, so wie ich sie gerne hätte, verdammen. Die, die nicht bunt sein wollen und voller Liebe, sondern lieber braun und voller Hass. Ich weiß, dass es die gibt, die ihnen Glauben schenken, weil ihr Leben von Grund auf vielleicht nicht bunt ist. Es gibt die, die sich nach etwas sehnen, was längst vergangen ist, und von dem sie nicht verstehen, dass es nicht gut war. Es gibt die, denen der Weitblick fehlt, der feste Standpunkt um voraus zu schauen, die glauben, dass sowieso alles richtig ist, was war. Es gibt die, die Angst haben, weil sie vor allem Angst haben, was fremd und neu ist. Und es gibt die, die Angst haben abzugeben, die nicht gönnen, nicht teilen wollen, die unter sich bleiben möchten, auch wenn andere dafür alles verlieren müssen. 
Im Grunde genommen habe ich mit diesen Menschen nur eines gemeinsam, und das bist du, die Angst. Du, mit nur einem deiner vielen Gesichter. Ich frage mich, warum wir sie uns nicht gegenseitig nehmen, warum wir nicht aufeinander zugehen, miteinander reden. Vielleicht weil ich weiß, dass auch darin die Angst steckt. Denn, was die anderen wünschen, fürchte ich, und so geht es ihnen mir gegenüber vielleicht auch. Und doch unterscheide ich mich so grundlegend von ihnen. Denn meine Antwort auf dich, Angst, ist nicht mehr Ablehnung und Hass. Meine Antwort ist mehr Toleranz, mehr Liebe. 
Nun weißt du’s, Angst, ich mag dich nicht. Also pack doch deine Sachen und verschwinde. Vielleicht können wir uns dann gegenseitig wieder als Menschen sehen, und dann gemeinsam gehen. In eine bessere Zukunft.

Im gelben Gummiboot

(c) Kathrin Eß 2017
Es ist Sommer.
Die Sonne hat nun schon zweimal ihren Kurs gewechselt, und ich dümpel immer noch in seichten Gewässern, lass mich treiben auf meinem gelben Gummiboot. Es kamen schon ein paar Strömungen, die mich mitnahmen, manchmal war das Meer sogar recht turbulent, doch meistens blieb es geduldig und ruhig.
Ich mag es im Wasser. Es ist warm und gemütlich hier, ich habe alles, was ich brauche.
Doch sehe ich die Inseln schon am Horizont. Manchmal schicken sie Mücken und Wespen zu mir, zwacken mich, stören mich, spielen Boten des Lebens, der Wirklichkeit. Und mit jedem Tag, den die Sonne einfach weiter wandert, weiß ich, dass ich nicht ewig so leben kann, dass ich an Fahrt aufnehmen muss, den Ankern einholen, die Segel setzen. Unangenehm. Unbequem. Eine Reise voller Gefahr.
Ich überwinde mich, reiße mich los.
Endlich fahre ich wieder übers Wasser.
Ob ich ankomme, erzähle ich ein anderes Mal.

Der ungebetene Gast

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Es ist Frühling. Träge sehe ich dem Gras beim Wachsen zu und bewundere die Natur, die mal wieder so tut, als sei nichts gewesen. Ich versuche zu verstehen, wie sie den Winter so schnell vergessen kann. Nach außen hin tu ich schließlich auch alles um den Frühling zu begrüßen, öffne alle Türen und Fenster ganz weit. Doch tief in mir drin kann ich den Winter noch nicht vertreiben. Mir steckt er noch in Mark und Bein. Also lass ich ihn, wo er ist, bereite ihm ein gemütliches Gästebett. Ich bin noch nicht so stark, doch vielleicht schafft die Natur den Rest. Und auch ich kann vergessen, nach und nach.

Fräulein Weber und die Kunst des Liegenbleibens (Kurzgeschichte)

IMG_3481.JPGDas Baby hatte gerade erst seine Augen geschlossen. Seine winzigen Gliedmaßen waren entspannt auf die Matratze geplumpst, so wie sie es immer taten, wenn der Rest des Körpers in den Schlaf glitt. Zufrieden und voller Liebe betrachtete Fräulein Weber das Wunder, das vor ihr lag. Es war noch ganz neu in ihrer Welt, aber sie war sich jetzt schon sicher, dass sie noch nie zuvor etwas so Schönes gesehen hatte. Sie streichelte den kleinen Kopf und die weichen Stoppeln darauf, und nahm dann noch einmal eine Nase von dem Duft, der von dem kleinen Wesen ausging. Der Duft, der sie so glücklich machte, der sie so sehr beruhigte.
Das ist er also, dachte sie. Der Zeitpunkt um liegen zu bleiben und einfach nur das Baby anzuhimmeln.
Der frühe Morgen war anstrengend gewesen. Das Baby hatte viel geweint und immer wieder an ihre Brust gewollt. Also hatte sie es getragen und gestillt, so wie sie es jeden Tag tat. Jetzt schlief das kleine Wunder. Zufrieden lag es in ihrem Bett und grunzte im Schlaf. Es schenkte ihr die Chance nichts zu tun. Die Chance sich von den Strapazen der Geburt zu erholen.
Fräulein Weber legte ihren Kopf auf das Stillkissen, an das sich das Baby schmiegte. Sie betrachtete die langen Wimpern und die kleine Nase, die faltigen Händchen und das schmollende Mündchen. Wogen des Glücks durchfuhren sie. Sie wollte diesen Moment für immer festhalten. Automatisch griff sie über das kleine Wunder hinweg nach der Kamera, die auf dem Nachttisch lag. Doch statt sich in die Hände ihrer Besitzerin zu begeben, rutschte die Kamera einfach vom Tisch. Froh, dass der dumpfe Knall das Baby nicht geweckt hatte, stand sie auf. In ihrem Still-Nachthemd lief sie um das Bett herum und bückte sich um die Kamera aufzuheben.
Hier könnte auch mal wieder jemand den Staub entfernen, dachte sie, als sie den Boden unter dem Bett sah. Schnell lief sie in die Küche und holte einen Handfeger und ein Kehrblech. Der Staubsauger wäre ihr lieber gewesen, aber sie wollte nicht riskieren, den Schlaf des Babys zu stören. Also fegte sie. Und als sie damit fertig war räumte sie noch ein bisschen auf, denn überall lag Wäsche herum. Und als sie damit fertig war, stellte sie noch schnell eine Maschine Wäsche an, denn die Wäsche, die sie aufgesammelt hatte, roch etwas streng. Und als sie damit fertig war, war das Baby wach. Es weinte, denn es hatte Durst.
Erst gegen Mittag schlief das Baby wieder ein. Wieder wollte Fräulein Weber liegen bleiben, einfach das Baby ansehen. Aber sie hatte auch solchen Hunger. Also ging sie in die Küche um sich eine der vielen Mahlzeiten aufzuwärmen, die sie in den Wochen vor der Geburt zubereitet und eingefrorenen hatte. Doch jetzt, wo sie die Stapel in der Gefriertruhe betrachtete, war sie plötzlich gar nicht mehr mit der Auswahl zufrieden. Vielleicht könnte ich ja schnell etwas kochen, dachte sie und fing an eine frische Mahlzeit aus den Zutaten zu zubereiten, die ihr Liebster gestern eingekauft hatte. Sie schnippelte und kochte, aß und spülte. Und als sie damit fertig war, war das Baby wach. Es weinte, denn es hatte Durst.
Als am Nachmittag ihre Hebamme kam, war Fräulein Weber todmüde. Die erfahrene Frau sah es ihr gleich an.
„Ruhen Sie sich denn auch genügend aus, Fräulein Weber?“, fragte sie. Doch Fräulein Weber schaute nur beschämt auf den Boden. Sie wusste bereits, dass das Wochenbett eigentlich ihre Zeit war. Die Zeit, die Dinge liegen zu lassen. Die Zeit, selbst einfach liegen zu bleiben.
Erst in der Nacht kam sie wirklich zur Ruhe. In der Nacht, als ihr Liebster zuhause und es überall dunkel war. Das Baby hatte getrunken und war zufrieden eingeschlafen, und auch Fräulein Weber fand ihren Weg in den unruhigen Schlaf einer jungen Mutter.
Sie wurde wach, weil ihre Blase es verlangte. Schlaftrunken ging sie ins Bad ohne auch nur einmal auf die Uhr zu sehen. Als sie fertig war und sich die Hände wusch, hörte sie plötzlich eine Stimme.
„Fräulein Weber!“
Eine Frau rief nach ihr. Erschrocken blickte Fräulein Weber um sich. Nichts.
„Fräulein Weber!“
Da war es wieder. Dieses Mal mit dem Klang zweier Stimmen. Sie rieb sich die Augen, zwickte sich in den Arm.
„Fräulein Weber!“
Ein drittes Mal hörte sie ihren Namen. Nun waren es drei Stimmen, die nach ihr riefen. Erst jetzt sah Fräulein Weber in den Spiegel. Neben ihrem Gesicht blickten drei weitere sie daraus an. Freundliche Gesichter, die ihr keine Angst machten. Gesichter von Frauen. Weder jung noch alt, weder hässlich noch schön. Gesichter, die man gleich wieder vergaß, sobald man sie nicht mehr sah.
Die Anwesenheit der Gesichter verwunderte sie nicht. Es war, als wären sie schon immer Teil des Spiegels gewesen, nur dass Fräulein Weber sie vorher nicht hatte sehen können. Nun sah sie sie, und es schien das Normalste auf der Welt.
„Fräulein Weber! Wir sind gekommen um dir deine Reise zu zeigen. Um dir zu zeigen was war. Um dir zu zeigen was ist. Um dir zu zeigen was wird“, sagten die Frauen im Einklang. „Bist du bereit?“, fragten sie dann, doch sie erwarteten keine Antwort.
Die Frau ganz rechts trat hervor.
„Ich zeige dir die Reise deines Kindes“, sagte sie und die drei Gesichter verschwanden. Stattdessen sah Fräulein Weber im Spiegel nun ihr Kind. Ihr Kind in ihrem Bauch, ihr Kind in ihrem Arm. Ihr Kind als Kind, als Jugendliche, als Erwachsene. Ihr Kind mit einem eigenen Kind auf dem Arm. Ihr Kind mit ihr und ohne sie. Sie spürte Liebe und Leid, Freude und Verlust, doch vor allem spürte sie Anstrengung.
Das Bild verschwamm. Die linke Frau erschien nun deutlich im Spiegel.
„Ich zeige dir die Reise deines Körpers“, sagte sie und wieder tauschten sich die Gesichter gegen andere Bilder. Sie zeigten ihren Körper vor der Schwangerschaft. Ihren Bauch, der wuchs und dann wieder schrumpfte. Ihre Muskeln die schlaff waren und erst langsam wieder stärker wurden. Ihre Wirbelsäule, die großen Lasten trug. Ihr Kopf in den Wogen des Chaos. Sie spürte Liebe und Leid, Freude und Verlust, doch vor allem spürte sie Anstrengung.
Das Bild verschwamm. Die mittlere Frau sprach nun.
„Ich zeige dir die Reise deines Ichs“, sagte sie. Und Fräulein Weber sah sich selbst.
Sie sah sich selbst als die Frau, die sie vor dem Kind war – frei und sorgenlos. Sich selbst als neue Mutter mit einem Baby auf dem Arm, voller Ängste und Fragen. Sie sah sich selbst als erfahrenere Mutter, sah den Menschen, der sie noch werden würde. Einen Menschen, den sie fremd fand, von dem sie nicht wusste, dass sie zu ihm werden könnte. Sie spürte Liebe und Leid, Freude und Verlust, doch vor allem spürte sie Anstrengung.
Das Bild verschwamm. Und plötzlich sah Fräulein Weber nur noch sich.
Die Gesichter waren verschwunden, doch sie hatten Fräulein Weber auch etwas zurück gelassen. Es waren Tränen. Tränen der Erkenntnis, Tränen des Verständnisses.
Sie ließ ihnen freien Lauf. Und als sie damit fertig war, war das Baby wach. Es weinte, denn es hatte Durst.
Erst am frühen Morgen schlief das Baby wieder ein.
Zufrieden und voller Liebe betrachtete Fräulein Weber das Wunder, das vor ihr lag. Sie streichelte seinen kleinen Kopf und die weichen Stoppeln darauf, und nahm dann noch einmal eine Nase von dem Duft, der von dem kleinen Wesen ausging. Der Duft, der sie so glücklich machte, der sie so sehr beruhigte. Das ist er also, dachte sie. Der Zeitpunkt um liegen zu bleiben und einfach nur das Baby anzuhimmeln.
Doch dieses Mal machte Fräulein Weber es sich wirklich gemütlich. Sie betrachtete das Baby und blieb einfach liegen.


Diese Kurzgeschichte habe ich ursprünglich als Gastbeitrag zur Wochenbettpause der Perlenmama Nina geschrieben. In diesem Rahmen wurde sie dort auch am 07.03.2017 zuerst veröffentlicht.

Die geheimen Abenteuer eines Maulwurfs

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Der kleine Maulwurf war endlich an der Spitze des Küchentischs angekommen. Er hatte sein Ziel erreicht, trotzdem kullerten Tränen über seine Wange. Erst gestern hatte er seine Familie im Wohnzimmer zurückgelassen. Als sie abends wie gewöhnlich in die Spielzeugkiste gestiegen waren, hatte er sich heimlich unter das Sofa gerollt. In der Nacht war er dann in die Küche geschlichen. Er wollte wissen, was sich jenseits des Hauses befand, wenn es dieses Jenseits überhaupt gab. Doch nun saß er fest. Diese teuflische grüne Kugel hatte ihn aufgespießt, es gab kein Vor und Zurück. Verzweifelt hing er da, träumte von dem was er verloren hatte. Er weinte und weinte, und hörte erst auf, als es plötzlich hell wurde. Die große Puppenspielerin hatte das Licht hineingelassen. Abrupt, unerwartet und mit viel Getöse. Er brauchte einen Moment um sich an die Helligkeit zu gewöhnen, doch dann sah er es. Er blickte aus dem rechteckigen Loch in der Wand. Wieder tropfte eine Träne von seiner Wange, diesmal jedoch vor Freude. Er weinte und lächelte. Denn er wusste, das seine Reise nicht umsonst gewesen war.