Into the blue

Gedicht

KathrinEss_Summer2018.JPG

Summer days bring happiness,
when you spend them with your friends,
Nothing more and nothing less,
When you‘re holding the right hands.

You don‘t need sun, just a lovely face
to look at when it smiles at you,
You don‘t need much, just a cosy place
to stare together into the blue.

Die Baustelle

Gedicht

Baustelle Berlin (c) Kathrin Eß 2018

In Berlin wird gebaut
Unermüdlich, Stein auf Stein
Das war schon immer so
Und wird niemals anders sein

In Berlin ist es kalt
Menschen frier‘n, Menschen schimpfen
Laufen nur schnell vorbei
Wegschaun, Nasen rümpfen

Ich bin zu lange hier
Wollt’ nicht bleiben, sitze fest
Bin eine von vielen
Die ihr schließlich doch vergesst

Berlin ist halt anders
Tag ist Nacht und Nacht ist Tag
Und ich stelle fest,
dass ich diese Stadt
sogar im tiefsten Winter mag

Bist du bereit?

Gedicht

Kastanien im Herbst (c) Kathrin Eß 2016
Es ist nicht einfach Ruhe in die Gedanken zu bringen, wenn der Alltag mit voller Lautstärke schreit.

Es ist nicht leicht Ordnung im Chaos zu finden,
wenn das Leben einem so viele Dinge zeigt.

Es ist kein Kinderspiel mit Langsamkeit der Hektik zu entrinnen, wenn alles, was fehlt, ist mehr Zeit.

Es gibt so viele Ausreden nicht sofort mit all dem zu beginnen. Dabei gibt es keinen besseren Moment als jetzt, es gibt nur eine Frage:
Bin ich dazu bereit?

Ich hätte so gerne einen Garten

Gedicht

Kirschblüte (c) Kathrin Eß 2016 / kathriness.com

Ich möchte meine Hände in Erde graben, möchte Blumen pflanzen, Rasen säen.
Ich möchte so gerne Hecken schneiden, Äpfel pflücken, Barfuß über Kieselsteine gehen.
Ich hätte so gerne einen Garten, einen Ort für Kinderlachen, mit Gras um auf dem Rücken Wolken im Vorbeiziehen zu betrachten.
Er muss nicht groß sein, nur schön,
muss bloß Platz haben für Kaffee und Kuchen im Schatten eines alten Baumes.
Er muss nicht groß sein, nur meiner,
muss bloß Platz haben für das Ausleben eines kleinen Traumes.

Der aufrechte Gang

Gedicht

Wir ziehen, wir schieben, wir drücken,
Wir nutzen unsere ganze Kraft.
Wir keuchen, wir schwitzen, wir wollen nach oben,
Hoch hinaus mit aller Macht.
Und sind wir dann oben, missfällt uns der Blick,
Sah das nicht von unten viel besser aus?
So wollen wir wieder auf den Boden zurück,
Oder noch weiter – zu den Sternen hinauf.

Valentinstag

Gedicht

Er schenkte ihr täglich sein Herz und sein Ohr,
doch sie wünschte sich nur rote Rosen.
Er verstand sie besser als je ein Mensch zuvor,
doch sie wollte Schokolade in herzförmigen Dosen.

Er hätt‘ sie auf Händen getragen, kein Weg war ihm zu weit,
sie trank Champagner und nannte ihn Spinner.
So platzte der Traum von der Zukunft zu zweit
beim romantischen Candlelight-Dinner.

Das Leben kennt keinen Stillstand

Gedicht

S-Bahn Warschauer Straße Berlin Umbau schwarz weiß

Wie kommst du mit Veränderung klar?
Was denkst du, fühlst du, wenn das Neue ist nah?
Wie ist das für dich, wenn das Unerwartete dich küsst?
Wie eine Windbö, die dich hart umstößt?
Wie steigendes Wasser, das dich unausweichlich umtreibt?
Fragst du dich noch, ob es vorrrübergeht, wenn du weißt, dass es bleibt?

Und dann, bist du ein Fels in der Brandung oder doch nur ein Blatt im Wind?
Stagnierst du oder passt du dich an ganz geschwind?
Umarmst du das Neue, stößt du es von dir, oder akzeptierst du es?
Und was, wenn du nicht mit Veränderung leben, keine Anpassung, einfach alles beim Alten lassen willst?
Wirst du dich in dir verstecken, es ignorieren, hoffen, dass es an dir vorrüberzieht?
Wirst du dich ärgern, protestieren, dich wehren, bis es vielleicht geht?

Und wenn nun das Neue aber nicht nur eine Phase ist, sondern für immer bleibt?
Was wenn die Veränderung permanent ist, weil der Fortschritt das Leben nunmal treibt?
Beobachtest du andere, wie sie mit der Veränderung umgehen?
Findest du es gut oder schlecht, wie sie die Welt sehen?
Versuchst du dann neue Facetten an dir zu entdecken, das Beste für dich aus der Veränderung zu necken?

Wirst du ein Teil des Neuen zu sein, das morgen schon wieder das Alte ist?
Wirst du akzeptieren, dass das Leben nur den Fortschritt kennt, oder weiter behaupten, dass du mit dem Stillstand glücklich bist?

Der Mensch im Schienenersatzverkehr

Gedicht

Der Mensch im Schienenersatzverkehr hat Eile

Es ist schon erstaunlich, wie der Mensch in großer Eile,
sein Tun verlangsamt für eine bestimmte Weile,
in der er keine Muße kennt,
dem Leben hinterherrennt.

Um fünf Minuten schneller am Ziel zu sein,
stellt er sich selbst ein Bein.
Er hält sich einfach nur auf,
doch das merkt er nicht,
wenn er rennt, wenn er schnauft.

Eilen, warten, genervt sein.
Drücken, warten, genervt sein.
In den Nacken atmen, warten, genervt sein.
Schimpfen, warten, genervt sein.

Er hat doch keine Zeit, das Leben ist zu kurz,
seine Termine zu dringend.
Doch merkt er nicht, dass Eile niemals zur Schnelligkeit wird
– zumindest nicht zwingend.

In all seiner Hast, sieht er kaum,
dass die Eile ihm nichts bringt,
außer eine Verkürzung seiner Lebensminuten vielleicht,
um die er doch eigentlich so verbittert ringt.

Eilen, warten, genervt sein.
Schieben, warten, genervt sein.
Ellbogen raus, warten, genervt sein.
Schimpfen, warten, genervt sein.

Sterben, warten, genervt sein.

An diesem Ort

Gedicht

Baum und Lampe

Ich sitze auf Stein, den Blick erhoben zur Unendlichkeit, meine Füße suchen Halt auf dem vibrierenden Boden. Fragen ziehen wie Wolken an meinem Kopf vorbei, paaren sich mit den Farben des Tages.
Wie wäre es nur, wenn nun ein Windstoß käme, mich mitnähme, fern von diesem Ort?

Ich sitze auf Holz, der Blick schweift über Köpfe, meine Füße schweben und berühren das Nichts. Leere liegt schwer in meinem Kopf, paart sich mit den Echos meiner Fragen.
Wie wäre es nur, wenn das Wasser käme, mich mitnähme, fern von diesem Ort?

Ich sitze auf Gras, der Blick stößt auf dich, meine Füße finden endlich Halt. Sonnenstrahlen fangen meinen Kopf, paaren sich mit dem Wohlklang neuer Fragen. Wie wäre es nur, wenn nichts käme, ich hier bliebe, mit dir an diesem Ort?